Zahl des Tages
Dunst-Gewerbe

229 Millionen Zigaretten rauchen die Deutschen im Schnitt pro Tag, so heißt es heute zum Weltnichtrauchertag. Immer noch eine Menge Asche .
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Die Deutschen rauchen immer weniger Zigaretten, meldet das Statistische Bundesamt zum heutigen Weltnichtrauchertag. Allerdings haben sich rund 19 Millionen Raucher hierzulande im vergangenen Jahr immer noch 229 Millionen Zigaretten angesteckt – pro Tag. Macht gut 12 Stück auf jeden Raucher, mehr als eine halbe Schachtel. Vor zehn Jahren, so die Statistiker, hätten die Deutschen noch satte 391 Millionen Zigaretten pro Tag in Rauch aufgehen lassen. Das waren 41 Prozent mehr als heute.

Allerdings offenbart ein zweiter Blick, dass keineswegs halb so viel geraucht wird. Immer mehr Raucher drehen nämlich selbst: Sie krümeln sich sage und schreibe jeden Tag 70 Tonnen Feinschnitt-Tabak ins Papier, 2001 waren es erst 38 Tonnen. Rechnet man pro Selbstgedrehter rund 1 Gramm Tabak, kommen zu den 229 Millionen Fertigzigaretten am Tag noch einmal 70 Millionen der günstigeren Do-It-Yourself-Glimmstengel hinzu.

Macht in der Summe: 299 Millionen. Addiert man noch Zigarren und Zigarillos, die in den vergangenen zehn Jahren deutlich an Beliebtheit gewonnen haben, kommt Deutschland aktuell auf einen Konsum von 310 Millionen Stück Rauchwaren am Tag. 2001 lag zwar auch diese Zahl deutlich höher, nämlich bei 436 Millionen. Doch der Konsum ist insgesamt eben nur um 29 Prozent gesunken.

Dabei fällt eine Menge Asche für den Staat ab: Im vergangenen Jahr brachte die Tabaksteuer 13,5 Milliarden Euro ein, macht im Schnitt 12 Cent pro Kippe. Fünf-Minuten-Raucher bringen dem Staat mit ihrem Tun also rund 2,4 Cent pro Minute. Frönen sie ihrer Neigung allerdings während ihrer Arbeitszeit, geht das voll zu Lasten der Arbeitgeber. Bei durchschnittlichen Arbeitskosten von 29,20 Euro pro Stunde in Deutschland kostet den Chef jede Minute 48,6 Cent. Die volkswirtschaftlichen Kosten durch die Gesundheitsschäden des Rauchens sind da nicht einmal mitgerechnet: 2009 starben in Deutschland 42.221 Menschen an Lungen- und Bronchialkrebs.

Und dann wird auch noch ein immer größerer Teil der Tabak-Asche am Fiskus vorbei geschnippt: Der Zigarettenverband, die Lobby der Rauchwaren-Hersteller, lässt seit 2004 jeden Monat 12.000 leere Zigarettenschachteln aus dem Müll fischen und von einem Marktforschungsinstitut auswerten. 2010, so das traurige Ergebnis, war jede fünfte in Deutschland gerauchte Zigarette unversteuerte Schmuggelware, etwa der Marke „Jin Ling“. Das sind, hochgerechnet aus den Zahlen des Statistikamts, 48,5 Millionen Zigaretten am Tag.

Nimmt man die ebenfalls zu den 310 Millionen offizieller Rauchwaren hinzu, kommt man schon auf einen Konsum von 358,5 Millionen Stück am Tag. Angenommen, 2001 war nur jede zehnte Zigarette geschmuggelt – die Verbandszählung gab es da noch nicht – wären es in der Summe eben knapp 480 Millionen Rauchwaren am Tag gewesen. Und der Konsum mithin bis heute um 25 Prozent gesunken – nicht um die Hälfte, sondern nur um ein Viertel. Es steckt also eine Menge heiße Luft in der schönen Statistik zum Nichtrauchertag.

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