Zahlreiche Tote an finnischer Schule
18-jähriger Abiturient läuft Amok

Zuerst erschien ein Video im Internet, dann fielen tödliche Schüsse: Ein 18-jähriger Abiturient hat am Mittwoch in einem finnischen Schulzentrum sieben Mitschüler und die Schulleiterin getötet. Als „äußerst kritisch“ bezeichnete die Polizei in Helsinki den Zustand des Täters selbst, der sich mit seiner Pistole nach dem Amoklauf in den Kopf schoss. Es gebe kaum eine Überlebenschance. Nach Internet-Ansage: Abiturient tötet sieben Mitschüler und Rektorin Von Thomas Borchert, dpa (Mit Bildern) = Helsinki (dpa) -

HB HELSINKI. Zwölf Schüler des Jokela-Schulzentrums in Tuusula eine Autostunde nördlich von Helsinki wurden mit leichteren Verletzungen in Krankenhäusern behandelt, einer der Verletzten hatte einen Streifschuss erlitten. Mehrere der Schüler waren in Panik aus Fenstern im ersten Stock gesprungen. Der Amokläufer hatte seine Tat als „Jokela High School Massacre“ im Internetforum YouTube angekündigt und hier auch die Tatwaffe, eine 22-kalibrige Pistole, vorgeführt.

Der Täter hatte mittags um zwölf Uhr mitten im Unterricht plötzlich zu schießen begonnen, wie Augenzeugen erklärten. Ein Lehrer berichtete, der Schüler sei dann von Klasse zu Klasse gelaufen, habe angeklopft und unmittelbar darauf durch die Türen geschossen. Der Geschichts- und Psychologielehrer Kim Kiuru forderte seine Schüler in höchster Not zur Flucht aus den Fenstern auf und konnte sich selbst erst in letzter Sekunde vor dem mit seiner Pistole heran stürmenden Amokläufer retten.

Der Lehrer sagte über den 18-Jährigen: „Seine Leistungen lagen über dem Durchschnitt.“ Der Schüler habe sich vor allem „für Rechtsextremistisches und Linksextremistisches interessiert“. „Man kann das einfach nicht begreifen. Hier ist es sonst bei uns völlig ruhig“, sagte Kiuru. Fünf der toten Schüler waren Jungen und zwei Mädchen.

In dem Schulzentrum mit Gymnasium und einer Handelsschule in Tuusula war nach den Schüssen sofort Panik ausgebrochen. Zunächst forderte die Schulleitung über Lautsprecher alle Schüler und Lehrer auf, in den Klassen zu bleiben. Trotzdem sprangen Schüler und Lehrer aus - zum Teil geschlossenen - Fenstern, stürmten ins Freie und kletterten über eine Mauer auf die Straße. Danach konnten Polizisten nach und nach weitere Menschen in einer nahe gelegenen Kirche in Sicherheit bringen. Zunächst hatte es geheißen, der Amokläufer habe sich verschanzt und werde belagert.

Der 18-Jährige hatte sich vor dem Amoklauf im Internet-Forum YouTube unter dem deutschen Pseudonym „Sturmgeist89“ angemeldet. Wenige Stunden vor den tödlichen Schüssen wurde auf dieser Seite ein Video mit dem Titel „Jokela High School Massacre“ eingestellt. Das darin gezeigte Video hatten innerhalb weniger Stunden bis zur Sperrung mehr als 200 000 Nutzer heruntergeladen.

Unter dem Namen „Sturmgeist89“ hatte der mutmaßliche Täter im Oktober auch seinen bürgerlichen Namen angegeben und auf Englisch geschrieben: „Ich bin ein zynischer Existenzialist. Ich bin bereit, für meine Sache zu sterben.“ Die Polizei erklärte, die Identität des Täters sei nicht geklärt. Deshalb könne man nicht sicher sein, ob der Autor der Internet-Seite mit dem Amokläufer identisch sei. Finnlands Ministerpräsident Matti Vanhanen sprach von einer „furchtbaren und unfassbaren Tragödie“.

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