Zahlreiche Tote und Vermisste
Mexikanisches Dorf unter Flutwelle begraben

Eine verheerende Flutwelle aus Schlamm und Wasser hat ein mexikanisches Dorf zerstört und möglicherweise mehr als 30 Menschen in den Tod gerissen. Mindestens 16 Bewohner des abgelegenen Dorfes San Juan Grijalva im Staat Chiapas, in dem rund 600 Menschen wohnten, wurden nach offiziellen Angaben vermisst.

HB OSTUACAN. Rettungskräfte suchten in den Trümmern eingestürzter Häuser nach Überlebenden. „Dieser Ort ist praktisch verschwunden“, erklärte der Gouverneur von Chiapas, Juan Sabines.

Die Flutwelle am Sonntagabend habe alles, was in ihrem Weg stand, davongerissen, sagte der Gouverneur weiter. Die Opfer seien eher mitgerissen als verschüttet worden.

„Es war ein Getöse, wie wenn ein Hubschrauber über die Köpfe hinwegfliegt“, berichtet ein Überlebender, der 21-jährige Domingo Sanchez. „Wir wussten nicht, was vor sich geht. Wir rannten nach draußen, und dann taten sich Risse in der Erde auf. Wir rannten den Hügel hinauf, aber die Erde kam auf uns herunter.“

Sanchez, seine Mutter, seine Frau und ein Cousin erreichten die Kuppe des Hügels gerade noch rechtzeitig. Beim Blick ins Tal sahen sie, dass ein Erdrutsch das Haus seiner Großeltern unter sich begraben hatte. Er befürchtet, dass mindestens neun Verwandte bei der Katastrophe ums Leben kamen.

Sein Cousin David Sanchez sprach von zwei unterschiedlichen Wellen. Die erste habe seine Mutter 200 Meter mit sich gerissen, bevor er sie retten konnte. „Die Welle hatte eine unwiderstehliche Gewalt“, erinnert er sich. Eine zweite Welle, die möglicherweise von einer kurzen Aufstauung stammte, wälzte sich kurz darauf das Tal hinunter. „Sie riss alles mit: Bäume, Häuser, alles“, berichtete der 22-Jährige. Er geht davon aus, dass mindestens 40 Nachbarn bei dem Unglück ihr Leben verloren.

Hubschrauber suchten in den umliegenden Bergen nach den Dorfbewohnern, die vor den Fluten geflohen waren. Die starken Regenfälle hatten einen Abhang ins Rutschen gebracht. Dieser stürzte in einen Fluss, der bereits Hochwasser führte und ließ eine Mauer aus Wasser und Geröll über das Dorf hereinbrechen.

Unterdessen hat die Regierung des Nachbarstaates Tabasco, der am stärksten unter den Überschwemmungen in der Region gelitten hat, das Zentrum der Landeshauptstadt Villahermosa zum Sperrgebiet erklärt, um Plünderungen zu unterbinden. Die Pegel der beiden Flüsse Grijalva und Carrizal, die bis zu zwei Meter über die Ufer getreten waren, gingen am Montag einen viertel beziehungsweise einen halben Meter zurück. Schon für Mittwoch wurden aber neue Regenfälle befürchtet.

Die Opfer der Überschwemmungskatastrophe erhalten auch Hilfe aus Deutschland. Das Auswärtige Amt stellte 250 000 Euro Soforthilfe bereit. Die Aktion Deutschland Hilft richtete einen Nothilfefonds über 200 000 Euro ein und warb um weitere Spenden.

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