Zahnarztkrimi um Uniklinik Düsseldorf: Götterkrieg in weiß

Zahnarztkrimi um Uniklinik Düsseldorf
Götterkrieg in weiß

Im Untreueprozess gegen Wolfgang Raab, Ex-Chef der Uniklinik Düsseldorf, trat sein größter Gegner in den Zeugenstand. Der Whistleblower gab detailliert zu Protokoll, wie Raab sein Schattenreich betrieben haben soll.
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Düsseldorf„Er hat mich angebrüllt, und das zwanzig Minuten lang“. Die verbale Vernichtung sei es gewesen. So beschrieb einer der wichtigsten Zeugen im Prozess gegen den früheren Uniklinikvorstand Wolfgang Raab eine Szene im Zahnärztekrieg der Uniklinik Düsseldorf. Fast eineinhalb Stunden dauerte die Befragung des zahnmedizinischen Professors Martin Wenger*.

Wenger war Chef der zahnärztlichen Poliklinik Düsseldorf und hatte Alarm geschlagen, weil er bei Antritt seiner Stelle nach eigenen Angaben Zustände vorfand, die ihm gesetzeswidrig und strafrechtlich relevant erschienen. Damit war er der Whistleblower. Nach Darstellung des Zeugen hat sich der damalige Klinik-Vorstand Raab mit allen Mitteln gegen seinen Widersacher gewehrt, bis hin zu exzessiven Verbalattacken und Versuchen, ihn rauszuwerfen.

Zahnmedizin-Professor Raab soll laut Anklage an der Uniklinik Düsseldorf über Jahre hinweg Privatpatienten Rechnungen in Millionenhöhe gestellt haben. Dafür habe er aber kaum gearbeitet. Stattdessen spannte er einen wissenschaftlichen Mitarbeiter ein. Den aber bezahlte die Uniklinik. Die Staatsanwaltschaft errechnete einen Schaden von rund 350.000 Euro.

Diese Rechnung bezieht sich allerdings nur auf die Gehälter der für die Privatabteilung abgestellten Mitarbeiter. Die der Uniklinik entgangenen Einnahmen dürften wesentlich höher sein. Laut Anklage hat Raab in seinem privaten Schattenreich innerhalb des Klinikums rund 2,2 Millionen Euro abgerechnet. Dabei habe er aber nur 0,139 Prozent der Leistung erbracht.

Zeuge Wenger war 2009 aus Seattle nach Düsseldorf gezogen, um dort die Leitung der zahnmedizinischen Poliklinik an der Uni Düsseldorf zu übernehmen. Raab hatte ihn geholt. Doch schon nach wenigen Monaten sei Wenger klar geworden, dass in der Klinik etwas nicht stimme, so schilderte er es. Strukturen und Zuständigkeiten seien intransparent gewesen, Zahlungen nicht nachvollziehbar.

Wenger habe zwar gewusst, dass es in der Poliklinik eine Privatambulanz gab. Doch er habe zu Beginn geglaubt, dass Klinikchef Raab diese zu Recht leitete und auch die Abrechnungen übernahm.

Zehn Ärzte waren Wenger unterstellt und ein gutes Dutzend wissenschaftlicher Mitarbeiter. Stutzig wurde Wenger laut seiner Aussage, als er die Urlaubsanträge eines wissenschaftlichen Mitarbeiters unterschreiben sollte, der seiner Ansicht nach gar nicht bei ihm beschäftigt war, sondern zur privaten  Ambulanz gehörte.  Es war der Mann,  der für Raab die Arbeit machte.  

Später stellte sich laut Wenger heraus: Raab durfte neben seinem Posten als Klinikchef noch wenige Stunden nebenher als Zahnarzt arbeiten, um in Übung zu bleiben. Dass habe aber nicht bedeutet, dass er eine riesige Privatambulanz leiten durfte und Mitarbeiter der Uniklinik für sich schuften lassen durfte.

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