Zeitumstellung
Die Herren der Zeit

In der Nacht zum Sonntag verschwindet eine Stunde im Nichts, um 2.00 Uhr springt die Zeit auf 3.00 Uhr, und die Sommerzeit beginnt. Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt ist die Hüterin der Zeit, besser gesagt dieses Zeitumstellungsrituals, das zwei Mal im Jahr stattfindet.

HB BRAUNSCHWEIG. Dieser seit 27 Jahren immer am letzten Wochenende im März wiederkehrende Vorgang ist im „Gesetz über die Zeitbestimmung“ - kurz Zeitgesetz genannt - festgeschrieben. Dort wird ebenfalls die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig als gesetzliche Hüterin der Zeit benannt, die für den reibungslosen Ablauf der Zeitumstellung zuständig ist.

Und so gibt es in Braunschweig auch ein „Zeitlabor“. Der Name klingt fast märchenhaft. Unweigerlich fällt einem Michael Endes Märchen „Momo“ mit den zeitfressenden grauen Herren ein. Ein Blick in das Zeitlabor ist dann allerdings eher ernüchternd: Kein Ziffernblatt ist zu sehen, kein Ticken zu hören. Die hochkomplexen Atomuhren sehen wie Schaltkästen oder Musikverstärker aus.

Eine dieser Uhren sorgt dafür, dass ein Sender in Mainflingen bei Frankfurt am Main pünktlich um 2.00 Uhr das entsprechende Signal an alle Funkuhren ausstrahlen kann. „Das Signal hat eine Reichweite von 2000 bis 2500 Kilometern und kann somit fast in ganz Europa empfangen werden“, erläutert PTB-Sprecher Jens Simon. In Zukunft werden spezielle Funkuhren über den Sender nicht nur die Zeit, sondern auch Wetterdaten empfangen können.

Unter anderem werden auch die Uhren der Deutschen Bahn AG durch das Signal aus Mainflingen gestellt. Die Folgen der Umstellung auf die Sommerzeit sind für die Bahn im Vergleich zur Umstellung auf die Normal- oder Winterzeit im Oktober verhältnismäßig einfach. Damit die Reisenden nicht in aller Frühe an ihren Zielbahnhöfen ankommen, hätten Nachtzüge längere Aufenthalte, und die würden in der besagten Nacht einfach gekürzt werden, sagte Bahnsprecherin Claudia Wachowitz.

Probleme können einige Menschen durch die Umstellung des Bio-Rhythmus bekommen. „Auch diese Art Mini-Jet-Lag von einer Stunde macht manchen Menschen zu schaffen“, sagte Ulrike Mickelat, Sprecherin der Techniker Krankenkasse Niedersachsen. Die „innere Uhr“ werde durcheinander gebracht - Schlafstörungen und Appetitlosigkeit könnten Folgen sein. Wer kann, sollte deshalb die ersten Tage eine Stunde länger als sonst schlafen. „Und wer sonst immer einen Mittagsschlaf hält, verzichtet am Besten eine Woche lang gänzlich auf das Nickerchen“, sagte Mickelat.

Bei der Einführung der Sommerzeit hatten die Politiker jedoch weniger an Bahnreisende und an Biorhythmen gedacht. Unter dem Eindruck der Ölkrise von 1973 sollte das Tageslicht besser genutzt und somit Energie gespart werden. Doch diese Hoffnung hatte sich schnell zerschlagen. „Im Hinblick auf den Energieverbrauch bietet die Sommerzeit keine Vorteile“, heißt es in der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion vor zwei Jahren. Umfragen in der Bevölkerung hätten jedoch ergeben, dass eine überwältigende Mehrheit die europaweite Sommerzeit begrüße. Argumente seien vor allem „die Ausnutzbarkeit des Abends und ein subjektiv empfundener Sicherheitsgewinn durch längere Helligkeit“, heißt es.

In den USA will man ungeachtet der europäischen Erkenntnisse in diesem Jahr dennoch mit Hilfe der Zeitumstellung Energie sparen. Die Sommerzeit wurde dort in diesem Jahr um insgesamt vier Wochen verlängert.

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