Zeitungsbericht
Vatikan ordnete Vertuschung sexuellen Missbrauchs an

Der Vatikan hat nach britischen Presseberichten 1962 offiziell angeordnet, Fälle sexuellen Missbrauchs durch Priester nicht in die Öffentlichkeit dringen zu lassen. Die Bischöfe in der ganzen Welt seien damals in einem Vatikan-Dokument streng vertraulich angewiesen worden, solche Vergehen „mit größter Geheimhaltung“ innerkirchlich zu verfolgen, berichtete die Londoner Zeitung „The Observer“.

HB/dpa ROM. Auch die Opfer des Missbrauchs sollten unter der Drohung der Exkommunizierung zum Stillschweigen in der Öffentlichkeit verpflichtet werden. Sie müssten aber innerkirchlich den Missbrauch anzeigen. Der Vatikan wollte dazu am Montag nicht Stellung nehmen. „Es gibt dazu zur Zeit keine Reaktion“, hieß es in der Pressestelle.

Das lateinische Rundschreiben des damaligen Heiligen Uffiz (der heutigen Glaubenskongregation) mit dem Titel „Crimine Solicitationies“ beziehe sich auf sexuelle Belästigung durch Priester im Beichtstuhl oder vor und nach der Beichte. In dem 69-Seiten- Schreiben geht es im Einzelnen darum, wie innerkirchliche Untersuchungen in solchen Fällen zu führen und Priester eventuell zu bestrafen sind. Es trage das Siegel des damaligen Papstes Johannes XXIII.

Das Schreiben habe ein US-Anwalt bei Nachforschungen über sexuellen Missbrauch in Geheimarchiven der katholischen Kirche entdeckt, berichtet das Blatt weiter. Vor allem die US-Kirche wird seit gut zwei Jahren von einer Skandal-Serie wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester erschüttert. 2001 hatte Papst Johannes Paul II. ein hartes Vorgehen gegen solchen Missbrauch gefordert.

Der „Observer“ veröffentlichte nach eigenen Angaben das Vatikan- Rundschreiben in der englischen Fassung, die damals an die britischen Bischöfe gegangen sei. Darin heißt es: „Dieser Text ist als streng vertraulich zu betrachten und sorgfältig in den Geheimarchiven der Kurie zu verwahren.“ Es heißt es, alle Beteiligten bei solchen Missbrauchsfällen im Zuge der Beichte - Priester, Opfer sowie Zeugen - sollten „ewiges Stillschweigen“ schwören. Das Rundschreiben legt darüber hinaus im Detail fest, wie die Untersuchungen innerhalb der Kirche zu führen und Priester eventuell zu bestrafen oder zu versetzen sind.

Ein Sprecher der katholischen Kirche in Großbritannien habe die Echtheit des Dokuments bestätigt, schrieb die Londoner Zeitung. Allerdings bestritt er, dass es sich um einen absichtlichen Plan zur Vertuschung sexueller Missbrauchsfälle in der Kirche handele. Es gehe vielmehr darum, „Beschuldigte zu schützen, so wie dies heute bei Zivilverfahren der Fall ist“.

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