Zermürbungstaktik geht auf
Stephanies Peiniger gibt auf

Die Nacht mit Kälte und Regen brachte schließlich eine erlösende Nachricht. Der geständige Sexualstraftäter Mario M. hat am frühen Donnerstagmorgen seinen Platz auf einem Dach der Dresdner Justizvollzugsanstalt verlassen, auf das er sich gut 20 Stunden zuvor mit einer spektakulären Kletteraktion geflüchtet hatte.

HB DRESDEN. Zermürbungstaktik der Polizei bei Psychologengesprächen sowie Kälte und Regen ließen ihn letztlich aufgeben. Die Beamten trugen in dem Nervenkrieg einen Sieg davon. Ein Ziel erreichte der 36-Jährige dennoch: Er traf sein Opfer und dessen Familie, die sichtlich von Angst gezeichnet und wieder einmal fassungslos ob einer Behördenpanne waren.

Nach Polizeiangaben befindet sich der Mann inzwischen wieder im Gefängnistrakt. Dort sei der 36 Jahre alte Angeklagte im Stephanie-Prozess mit seinem Verteidiger zusammengetroffen, sagte Polizeisprecher Thomas Herbst. Der Mann sei unverletzt mit einer Hebebühne von dem Gebäude geholt worden, sagte der Polizeisprecher. Mario M. sei bei Ende der Aktion normal ansprechbar gewesen „und in einem passablen Zustand“. Über das Gespräch des Angeklagten mit seinem Verteidiger drang nichts an die Öffentlichkeit.

Nach der Aktion von M. wurde am Donnerstagmorgen der zweite Verhandlungstag im Stephanie-Prozess vor dem Dresdner Landgericht abgebrochen. Ein Amtsarzt erklärte den Angeklagten für nicht verhandlungsfähig. Der 36-Jährige war zuvor von sieben vermummten Beamten in den Gerichtssaal geführt worden. Er war mit Hand- und Fußfesseln fixiert.

Der Mann sei für mindestens acht bis zwölf Stunden nicht verhandlungsfähig, sagte der Vorsitzende Richter Tom Maciejewski. Deshalb werde der Prozess an diesem Tag nicht fortgesetzt. Der nächste Verhandlungstermin ist der 21. November.

Polizei und Justiz hatten nach der beendeten Flucht des Angeklagten ihre Sicherheitsvorkehrungen für den zweiten Verhandlungstag verstärkt. Für die Begleitung beim Transport wurde der 36 Jahre alte vorbestrafte Sexualstraftäter Mario M. statt von zwei nun von vier Justizbediensteten bewacht. Dazu wurde die Zahl der Justizwachtmeister im Gericht aufgestockt. Auch die Polizei hatte zusätzliche Vorkehrungen getroffen, um die Sicherheit während der Fahrt von der Justizvollzugsanstalt zum Landgericht zu gewährleisten, hatte ein Sprecher des Justizministeriums gesagt.

An dem zweiten Verhandlungstag sollte unter anderem über die Aussage von Stephanie entschieden werden. Der Vater des Mädchens hatte nach der Flucht des Täters jedoch angekündigt, dass die 14-Jährige nicht aussagen werde.

Die Dresdner Polizei will zudem nun die Sicherheitslage der Familie von Stephanie neu bewerten. Es müsse geklärt werden, ob sie mehr Schutz brauche, sagte Polizeisprecher Herbst. Der Vater des Mädchen hatte sich schockiert über die neuerliche Panne in dem Fall geäußert. Seine Tochter habe große Angst vor ihrem Peiniger, sagte er.

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