Zermürbungstaktik in Toulouse
Serientäter will nicht aufgeben

Der Nervenkrieg verschärft sich: Seit knapp 30 Stunden belagern Hunderte von Polizisten das Haus des mutmaßlichen Attentäters. Trotz Zermürbungstaktik denkt der nicht an Aufgabe - und ist vielleicht sogar schon tot.

ToulouseDer mutmaßliche Serienkiller von Toulouse will sich nicht ergeben. Innenminister Claude Guéant betonte, es habe in den vergangenen Stunden keine Gespräche mit Mohamed Mehra gegeben. „Wir haben während der Nacht keinen Kontakt mit ihm gehabt, alle Hypothesen sind möglich; wir hoffen, er lebt noch“, erklärte Guéant. Mehra habe erklärt, er wolle mit der Waffe in der Hand sterben. Am Morgen wurden erneut Detonationen vor dem Haus gehört. Augenzeugen berichteten vor Ort, dass sich die Feuerwehr in einer Nebenstraße offenbar auf einen Einsatz vorbereite. Der mutmaßliche Attentäter hat sich seit mittlerweile knapp 30 Stunden in einem Mehrfamilienhaus verschanzt.

Die französische Polizei setzt derweil auf eine Zermürbungstaktik. Seit mehr als 24 Stunden belagern Hunderte schwer bewaffnete Polizisten das Haus. Sie haben Gas und Strom gekappt und mehrere Explosionen in der Nähe des Wohnhauses ausgelöst, um ihn einzuschüchtern.

Die nach den ersten drei Detonationen am späten Mittwochabend verbreiteten Spekulationen, dass die Erstürmung des Hauses begonnen habe, wurden vom französischen Innenministerium dementiert. Die Explosionen seien Einschüchterungsmanöver, um den Druck zu erhöhen. Offensichtlich setzen die Elitepolizisten darauf, dass der Mann irgendwann erschöpft aufgibt oder mit wenig Risiko überwältigt werden kann.

„Er sagte, er wolle sich stellen, er hat seine Meinung geändert, wir erhöhen den Druck auf ihn“, erklärte ein Spezialist der Nachrichtenagentur AFP. Insgesamt wurden in der Nacht zum Donnerstag zwischen 5 und 6 Detonationen ausgelöst. Bei den Explosionen sollen Tür und Fenster der Wohnung aufgesprengt worden sein, wie der französische Fernsehsender BMF-TV berichtete.

Es hatte zunächst widersprüchliche Angaben zu dem Thema gegeben, ob noch Kontakt mit 23-Jährigen bestehe. Nach Angaben des TV-Nachrichtensenders BFM lehnte der junge Mann es ab, sich zu ergeben. Er rede aber weiter mit der Polizei. Am Vortag hatte er seine Ankündigung, sich zu ergeben, nicht wahr gemacht. Andere Quellen sprachen von einem Abbruch der Verbindung

Zu Beginn des Einsatzes hatte der Mann mit automatischen Waffen auf Polizisten gefeuert, die sich der Wohnung näherten, und mindestens zwei von ihnen verletzt. Im Austausch gegen ein Telefon übergab er der Polizei später einen Colt - die mögliche Tatwaffe bei den Morden an insgesamt sieben Menschen in Südfrankreich in den vergangenen Tagen.

Bei dem Verdächtigen, den die Polizei über Spuren im Internet ausfindig gemacht hatte, soll es sich um einen dem Terrornetz Al-Kaida nahe stehenden Extremisten namens Mohamed Merah handeln. Im Telefonkontakt mit der Polizei habe er zugegeben, dass er schon für Mittwoch einen weiteren Anschlag gegen einen Soldaten geplant hatte. Zudem habe er zwei Polizisten töten wollen.

Der Franzose algerischer Herkunft soll in Toulouse und Umgebung drei Soldaten sowie bei seinem Anschlag auf eine jüdische Schule am Montag drei jüdische Kinder und einen Rabbiner kaltblütig erschossen haben. Mehrere Personen aus seinem Umfeld wurden festgenommen, darunter waren die beiden Schwestern und Brüder sowie die Mutter des Mannes.

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