Zivilprozess
Zugunglück von Bad Münder hinterließ giftige Spuren

Das Zugunglück von Bad Münder im Jahr 2002 hat entgegen früherer Untersuchungen doch Spuren der Krebs erregenden Chemikalie Epichlorhydrin im Blut von Helfern und Anwohnern hinterlassen.

HB HANNOVER. Neue Tests an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hätten einige positive Befunde ergeben, sagte Rechtsanwältin Sabine Lüpkemann bei einem Zivilprozess im Landgericht Hannover. Sie vertritt Geschädigte, die von der Bahn Schmerzensgeld verlangen. Am Mittwoch wurden die Klagen von 57 Feuerwehrleuten und einem Polizisten verhandelt. Sie fordern von der Bahn zwischen 2500 und 20 000 Euro Schmerzensgeld.

Im Bahnhof von Bad Münder waren im September 2002 zwei Güterzüge zusammengestoßen. Mehr als 30 Tonnen des giftigen Epichlorhydrins traten aus. Nach dem Unglück hatten Einsatzkräfte und Anwohner über Vergiftungssymptome geklagt, vor allem über Kopfschmerzen und Atembeschwerden.

Die MHH-Arbeitsmedizinerin Prof. Renate Wrbitzky bestätigte, dass einzelne Blutproben mit einem neuen Gerät untersucht wurden. Dieses kann auch Werte ermitteln, die unter der bisherigen Nachweisgrenze liegen. Eine Untersuchung von rund 300 Proben an der Universität Göttingen im Auftrag des Landesgesundheitsamtes hatte dagegen keine Auffälligkeiten gezeigt.

Prof. Wrbitzky betonte, dass es bisher keine groß angelegten und systematischen Untersuchungen mit dem neuen Gerät an der MHH gegeben habe. Weitere Schritte müssten zunächst mit dem niedersächsischen Innenministerium abgestimmt werden. Zudem sei unklar, inwieweit sich aus den nachgewiesenen Epichlorhydrin-Spuren ein Zusammenhang mit möglichen Krankheitsbildern herstellen lasse.

Bisherige Schmerzensgeld-Klagen von Feuerwehrleuten und einem Bundespolizisten waren von der 11. Zivilkammer des Landgerichts Hannover abgewiesen worden. Hauptstreitpunkt war dabei, ob das Unglück tatsächlich - wie von den Klägern behauptet - erhebliche Gesundheitsschäden ausgelöst hat. Allein die Angst, an Krebs zu erkranken, begründe keinen Schmerzensgeld-Anspruch. Entscheidungen von höheren Instanzen dazu stehen noch aus.

Auch bei der Klage der 57 Feuerwehrleute und des Polizisten äußerte die Kammer am Mittwoch Bedenken. Die Entscheidungen sollen am 22. Februar sowie am 1. März verkündet werden.

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