Zug am Bahnhof entgleist
Fragen und Antworten zum ICE-Unfall in Dortmund

Ein ICE springt aus den Schienen, schwer verletzt wird niemand. Dennoch bleibt die bange Frage: Was hat das Zugunglück von Dortmund ausgelöst – und kann es sich wiederholen? Experten suchen nach Antworten.
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DortmundEin ICE ist am Montagabend bei der Einfahrt in den Dortmunder Hauptbahnhof entgleist. Zwei Menschen wurden leicht verletzt. Nicht der erste Fall dieser Art. Wie kann so etwas passieren? Und was kann man dagegen machen? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie war der Ablauf bei dem Unglück?

„Es kam komplett unvorbereitet“, schildert ein Fahrgast, der mit dem ICE unterwegs war auf dem Weg nach Berlin. Er hat den Unfall in einem der zwei entgleisten Wagen miterlebt. „Wir sind ganz normal gefahren. Es gab einen Riesenknall, es hat gescheppert.“ Die Gepäckstücke seien durch den Waggon geflogen. „Während das passiert ist, war mir klar, dass der Zug entgleist ist“, sagt der 27-Jährige.

Wie ging es weiter?

Schaffner, Polizisten und Feuerwehrleute gingen nach dem Unglück durch den Zug, Fahrgäste werden in den vorderen Zugteil gebracht. Dort konnten sie am Bahnsteig aussteigen. „Das haben die sehr gut gemacht“, sagt der 27-Jährige. Aber: „Dann war man auf sich allein gestellt.“

Wie ging es für die Fahrgäste weiter?

Reisende konnten Stunden nach dem Unglück mit anderen Zügen weiterreisen oder einen Übernachtungsstopp einlegen. Damit die Bahn für die Kosten aufkommen kann, sollen sich Betroffenen an das Unternehmen wenden.

Wie konnte es überhaupt zu dem Unfall kommen?

Der Berliner Schienenfahrzeug-Experte Daniel Jobstfinke hält einen technischen Defekt oder menschliches Versagen für möglich. „Es könnte sein, dass am Waggon etwas kaputtgegangen ist, etwa am Drehgestell, am Rad oder an der Radsatzwelle.“ Ein Bauteil könnte gebrochen sein und die Entgleisung ausgelöst haben. Es könnte auch ein Defekt am Fahrweg sein, etwa ein mechanischer Fehler an einer Weiche.

Kann der Fall etwas mit seit Jahren bekannten Achsenproblemen bei ICE-Zügen zu tun haben?

Das ist noch unklar. Der Vorfall erinnert zwar an das Entgleisen eines ICE 3 am Kölner Hauptbahnhof nach einem Achsenbruch im Jahr 2008. Mit den alten Achsenproblemen hat es nach Einschätzung der Bahn aber nichts zu tun. Der in Dortmund entgleiste Zug war ein ICE 2, er gehört demnach zu den beiden älteren ICE-Generationen, die nie Achsenprobleme hatten.

Kommt es häufig zu Entgleisungen?

Gelegentlich, es gibt unterschiedliche Gründe. Im Februar sprang ein leerer ICE in einem Frankfurter Bahnhof aus dem Gleis, nachdem er mit rund 30 Stundenkilometern auf einen Prellbock gefahren war - offenbar gab es Probleme beim Bremsen. Am Stuttgarter Hauptbahnhof löste 2012 eine einzige Problemweiche drei Entgleisungen von Intercity-Zügen innerhalb von zehn Wochen aus.

Kommen in Dortmund menschliche Fehler infrage?

Da geht es um die Weichenstellung. Allerdings ist das Stellen unter dem fahrenden Zug im Regelfall nicht möglich. Es ist Standard, dass bei fahrenden Zügen eine sogenannte Fahrstraße eingestellt und gesichert ist. Es könnte aber vorkommen, dass es etwa bei Bauarbeiten keine sogenannte Fahrstraße gebe. „Dann muss der Stellwerksbediener die Sicherung manuell durchführen. Hier könnte es theoretisch sein, dass es einen menschlichen Fehler gab, etwa die Fehleinschätzung, dass der Zug schon durchgefahren ist.“ Bezogen auf Dortmund sei dies jedoch reine Spekulation, betonte Jobstfinke. Wenig wahrscheinlich ist, dass etwas auf den Schienen lag.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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