Zugunglück in Bad Aibling: Zahl der Toten steigt auf elf

Zugunglück in Bad Aibling
Zahl der Toten steigt auf elf

Trauern. Aufräumen. Und aufklären: Wie ist es möglich, dass zwei Züge ungebremst aufeinander zurasen? Ärzte und Psychologen betreuen Verletzte, Angehörige und Retter. Die Zahl der Toten ist inzwischen auf elf gestiegen.

Bad AiblingEin Knäuel aus zertrümmertem Metall zeugt von der Wucht der Kollision. Helfer in orangefarbenen und gelben Neonwesten. Auch am zweiten Tag nach dem Zugunglück von Bad Aibling arbeiten sie am Limit, um die Trümmer zu bergen. Die verkeilten Zugteile stehen unter Spannung, eine äußerst gefährliche Aufgabe. Die Zahl der Toten ist inzwischen auf elf gestiegen. Ein 47 Jahre alter Mann aus dem Landkreis München erlag in einer Klinik seinen Verletzungen, wie die Polizei mitteilte.

Die Züge waren am Dienstagmorgen praktisch ungebremst aufeinander zugerast und haben sich regelrecht ineinander gefressen, noch immer ist unklar, wie es dazu kommen konnte. „Wir haben zwei Komponenten, in denen wir ermitteln: die technische Seite und die menschliche Seite“, erläuterte ein Polizeisprecher. „Wenn man zu dem Ergebnis käme, dass es keine Hinweise auf technisches Versagen gäbe, würde man die Ermittlungen eher auf die menschliche Seite richten.“ Doch derzeit gebe es noch keine Tendenz, in welche Richtung sich der Fokus der Ermittlungen verschieben werde.

Bis Mitternacht hatten die Helfer bei Flutlicht im Schneetreiben gearbeitet, dann aber unterbrochen. Im Dunkeln ist der Job noch gefährlicher. „Da ist ja unheimlich viel Energie in dem Metall gespeichert, und wenn die Wracks auseinandergezogen werden, könnte es sein, dass ein Metallteil wie ein Pfeil weggeschleudert wird“, schildert Polizeisprecher Stefan Sonntag.

„Wir rechnen damit, dass die Arbeiten noch ein, zwei Tage dauern werden, wahrscheinlich bis Samstag“, sagt der Geschäftsführer der Bayerischen Oberlandbahn (BOB), Bernd Rosenbusch. Danach müssen Gleis und Oberleitung repariert werden. Auch das dürfte einige Tage in Anspruch nehmen.

Länger wird es dauern, bis die seelischen Wunden heilen. Die BOB biete allen Verletzten, Angehörigen von Opfern und Fahrgästen Betreuung an, sagt Rosenbusch. Auch die Retter sowie die Kollegen der tödlich verunglückten Lokführer sind betroffen. „Wir sind sehr intensiv dabei, die Mitarbeiter psychologisch zu betreuen“, sagt Rosenbusch. „Das ist das Wichtigste jetzt.“

Am Donnerstagnachmittag holen Angehörige und Fahrgäste bei der Freiwilligen Feuerwehr im Nachbarort Kolbermoor persönliche Gegenstände ab, die aus den Zugwracks geborgen wurden. Eine Mutter sucht die Brille ihres Sohnes. Räder, Rucksäcke, Jacken, Handtaschen, eine Mütze mit Blutflecken, ein einzelner Schuh – Spuren der Katastrophe.

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