Zum 80. Geburtstag
Auf „Du“ mit dem Papst

„Die Theologie hat uns immer wieder zusammengeführt und verbunden“, sagt Kardinal Karl Lehmann über Papst Benedikt XVI. Joseph Ratzinger, ehemaliger Erzbischof von München und Freising, feiert am 16. April seinen 80. Geburtstag. Kardinal Lehmann hat ihm viel zu verdanken.

HB MAINZ. Als junger Theologe erhielt Kardinal Karl Lehmann 1968 einen Ruf an den Lehrstuhl für Dogmatik der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Mainz. Doch es gab ein kirchenrechtliches Problem, denn Lehmann hatte nicht in Deutschland, sondern in Rom promoviert und habilitiert. Erst mit Hilfe eines Gutachtens des damaligen Tübinger Dogmatikprofessors Joseph Ratzinger konnte die Lehrbefähigung Lehmanns an der Mainzer Fakultät bestätigt werden.

„Die Theologie hat uns immer wieder zusammengeführt und verbunden“, sagt Lehmann der Nachrichtenagentur AP in einem Interview anlässlich des 80. Geburtstags seines früheren Gutachters. Seit mehr als vier Jahrzehnten kennen sich Lehmann und Ratzinger. Dabei habe es vielfältige Begegnungen gegeben: von Ratzingers Beteiligung an der so genannten Würzburger Synode der Bistümer in der Bundesrepublik über sein Wirken als Theologieprofessor oder später als Erzbischof von München und Freising, Kardinal und Präfekt der Glaubenskongregation bis zu seiner Wahl zum Papst.

„Er ist sicher einer der bedeutendsten Theologen unserer Zeit“, sagt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. „Man muss nicht immer in allem und jedem Detail einer Meinung sein, aber die von manchen Medien zitierten angeblichen Schwierigkeiten entbehren doch weitgehend einer Grundlage. In den Grundlinien waren wir uns immer einig.“

In seiner zweijährigen Amtszeit als Papst habe Benedikt XVI. sicher viele überrascht, die ihn kurz nach seiner Wahl in ein Schubladensystem hätten einordnen wollen. „Ich habe nie daran gezweifelt und es immer wieder betont, dass das vor seiner Wahl in Deutschland verbreitete einseitige Bild von Joseph Ratzinger schief war. Dieser Papst ist in mancher Hinsicht für Überraschungen gut“, sagt Lehmann und fügt an: „Freilich wird sich jetzt zeigen müssen, wohin die Reise geht.“

Benedikt stehe in Kontinuität zu seinem Vorgänger, ohne ihn in irgendeiner Art zu imitieren; er besitze da eine große Eigenständigkeit. Das zeige sich etwa an seinem Umgang mit den Menschen, bei der Art der Amtsführung in Verwaltungsfragen oder auch in seinen Äußerungen und Verlautbarungen etwa seiner ersten Enzyklika „Deus Caritas est“.

Kurz nach der Wahl von Benedikt XVI. hatte Lehmann Zweifel, ob er bei dem seit Jahrzehnten bestehenden „Du“ einfach bleiben könne, ohne respektlos zu wirken. „Ich habe dann angefangen: Heiliger Vater, lieber Joseph, und da hat er mich sofort unterbrochen und gesagt: Lass die „Heiligkeit' weg“, verriet Lehmann vor einiger Zeit in einem Interview.

Die Rede vom deutschen Papst behagt Lehmann nicht so recht. Er spreche lieber vom „Papst aus Deutschland“, denn der Papst gehöre der Weltkirche. „Aber natürlich freuen wir uns, dass der Heilige Vater eine solche Verbindung zu unserem Land hat und dies auch gerne zeigt“, sagt Lehmann. Wenn Menschen sich in unserem Land von diesem Papst besonders angesprochen fühlten und daraus Zuversicht aus dem Glauben schöpften, sei das sehr erfreulich. „Wir müssen uns aber davor hüten, aus der Tatsache seiner Herkunft eigene Privilegien ableiten zu wollen“, mahnt der Mainzer Erzbischof. Lehmanns Geburtstagswünsche an seinen langjährigen Weggefährten: „Was könnte man einem Christen Besseres wünschen als Gottes reichen Segen für Leib und Seele und allezeit Zuversicht aus dem Glauben?“

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