Zum Sechzigsten
Bill Clinton startet mit den Stones ins zweite Leben

Bill Clinton war immer ein Meister in der Inszenierung seiner selbst. Fast jeder Amerikaner kennt das Bild des 16-jährigen Bill, wie er mit glänzenden Augen die Hand John F. Kennedys schüttelt - den Traum des Teenagers symbolisierend, selbst einmal Hausherr im Weißen Haus zu werden.

dpa WASHINGTON. Auch fast sechs Jahre nach seiner spektakulären Präsidentschaft setzt Clinton auf die Suggestivkraft von Bildern: Zum Höhepunkt der wochenlangen Feiern zu seinem 60. Geburtstag werden in New York die lebendigsten Ikonen des Rockzeitalters, die Rolling Stones, aufspielen. Wer könnte besser ungebrochene Lebenslust und Ignorieren des Alterns verkörpern als der wilde, aber immerhin auch schon 63 Jahre alte Mick Jagger.

Wie der Rockstar denkt auch Clinton noch lange nicht an ein Aufhören - auch wenn er über sein Alter nun öffentlich stöhnt: „Ich hasse es. Meistens war ich immer der Jüngste, eines Tages bin ich aufgewacht und ich war der Älteste im Zimmer“. Gehen Clintons Träume allerdings in Erfüllung, beginnt bald sein - politisch - zweites Leben. In kleinen Kreisen kokettiert der nach wie vor beliebteste Politiker in den USA Medien zufolge ganz offen damit, dass er als erster „First Gentleman“ der Geschichte, als Ehemann einer 2008 zu wählenden Präsidentin Hillary Clinton, wieder ins Weiße Haus einziehen könnte. Sehr viel bedeckter hält er sich bei den von US-Medien zitierten Ambitionen, Nachfolger von UN-Generalsekretär Kofi Annan zu werden. Die „Los Angeles Times“ weiß noch von einem dritten Traum: wegen seiner humanitären Aktivitäten weltweit, im Kampf gegen Hunger oder Aids hoffe er auch, den Friedens-Nobelpreis zu erhalten.

Gleichgültig, wie realistisch die Träume Clintons sind, ganz sicher will er sich nicht aufs politisch Altenteil zurückziehen - auch wenn er als „elder statesman“ für Vorträge bis zu 350 000 Dollar erhält, und auch wenn ihm eine Bypass-Operation 2004 die Grenzen der Belastbarkeit vor Augen geführt hat. Sein Ehrgeiz scheint ungebrochen - der Erfolg seiner Memoiren mit einer weltweiten Millionenauflage hat ihn da sicher bestärkt.

Clinton gilt als Glückskind. Die Amtszeit des 42. Präsidenten war nach dem Bankrott des Ostblocks von einem unvergleichlichen Wirtschaftsboom geprägt. Der charismatische Demokrat hat aber auch mit einer bedächtigen, zuweilen eher konservativen Politik die USA ins 21. Jahrhundert geführt. Er reformierte die Sozialfürsorge und verlangte von den Bürgern mehr Eigenverantwortung. Es gelang ihm, mit sparsamer Haushaltspolitik und dank sprudelnder Steuern Etatüberschüsse zu erzielen. Außenpolitisch konnte er mit der unblutigen Intervention in Haiti zum Sturz der Militärmachthaber, einer zunächst erfolgreichen Nahost-Diplomatie und dem Dayton- Abkommen zur Beendigung des Bosnienkrieges Erfolge verbuchen.

Er hatte aber auch stets erbitterte Feinde bei der politischen und religiösen Rechten. Dem liberalen, lebenslustigen Politiker wurden Amtsmissbrauch und fragwürdige Frauengeschichten in seiner Zeit als Gouverneur von Arkansas vorgeworfen. Lange hing ihm der Spitzname “Slick Willy“ (Aalglatter Willy) an. Schließlich wurde ihm die Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky fast zum Verhängnis. Er konnte nur knapp ein Amtsenthebungsverfahren wegen Falschaussage vermeiden. Peinlich waren die bekannt gewordenen Details allemal.

Als fast Unbekannter aus Arkansas war es dem Yale-Absolventen 1992 gelungen, Amtsinhaber George Bush, Vater des jetzigen Präsidenten, zu schlagen. Heute sind die damaligen Konkurrenten gute Freunde, die sich humanitär gemeinsam engagieren und zusammen auch Golf spielen. Nun setzt Clinton auf einen zweiten Einzug ins Weiße Haus. Dafür muss er diesmal hinter Hillary, mit der er seit 1975 verheiratet ist, zurückstehen. Das wird ihm wohl nicht leicht fallen, besonders bescheiden schien er nie. Allerdings sollen die vielen Geburtstagsfeste nun nicht nur seinen Ruhm preisen, sondern auch Stiftungen für den Kampf gegen Aids und Klimaerwärmung zugute kommen. Damit das Konzert der Rolling Stones am 29. Oktober im Beacon Theatre in Manhattan auch richtig ins Bild gesetzt wird, hat Clinton Starregisseur Martin Scorsese gebeten, den Job zu übernehmen.

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