Zum Stillschweigen verpflichtet
Über Dutroux' Schuld entscheiden Hausfrauen, Lokführer und Angestellte

Im belgischen Mädchenmordprozess entscheiden einzig und allein zwölf Geschworene aus der Mitte der Bevölkerung über Schuld oder Unschuld der vier Angeklagten.

HB ARLON. Die Laienrichter im Alter zwischen 30 und 60 Jahren wurden am ersten Prozesstag aus einer Gruppe von 180 Bürgern der Provinz Luxembourg ausgewählt.

Besondere juristische Vorkenntnisse haben die acht Frauen und vier Männer nicht: Ein pensionierter Lokführer gehört ebenso zu der Jury wie ein Landvermesser, eine Sozialarbeiterin, eine Lehrerin, Hausfrauen und Angestellte. Sie sind zum Stillschweigen über ihre Beratungen und Urteilsgründe verpflichtet, den Ausschlag über Schuld und Unschuld gibt laut Gesetz ihre „innere Überzeugung“.

Über einen möglichen Ausgang der Beratungen, die letztlich drei volle Tage in Anspruch nahmen, hat die belgische Presse viel spekuliert: Die Art ihrer Fragen an Zeugen und Angeklagten wurden ebenso als Indizien gewertet wie die Zahl ihrer Notizen während der dreieinhalb Monate dauernden Gerichtsverhandlung. Gewissheit konnte aber erst das Urteil am Donnerstag bringen.

Die Abstimmung über die Schuldfragen geschah geheim und streng abgeschirmt von der Öffentlichkeit. Nur wenn das Urteil der zwölf Geschworenen in einer Frage mit sieben zu fünf besonders knapp ausfällt, können auch die drei Berufsrichter ihre Stimme mit in die Waagschale werfen. Über das Strafmaß entscheiden Richter und Geschworene nach weiteren Plädoyers dann gemeinsam.

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