Zum Tod von Miriam Makeba
Stimme eines Kontinents

Als „Mama Africa“ wurde Miriam Makeba auf dem eigenen Kontinent weithin verehrt. Doch hinter der scheinbar märchenhaften Erfolgsgeschichte der Sängerin, die in der Öffentlichkeit stets für Bürgerrechte und Demokratie eintrat, verbarg sich ein Leben voller Unglück.

JOHANNESBRUG. Als Miriam Makeba im Juni 1990 nach 30 langen und zum Teil einsamen Jahren im Exil in ihre südafrikanische Heimat zurückkehrte, warteten Hunderte von Anhängern in der Kälte des Südwinters, um die mittlerweile als „Kaiserin des afrikanischen Gesangs“ bekannte Musikerin bei ihrem ersten Konzert auf heimischem Boden zu feiern. Doch die Fans warteten vergeblich. Makeba sang keinen einzigen Song.

Dass ihre kraftvolle Stimme stumm blieb, lag ironischerweise nicht etwa an dem damals noch am Kap regierenden Apartheidsystem, das ihr zuvor drei Jahrzehnte lang die Rückkehr verwehrt hatte. Verantwortlich war vielmehr eine dem Afrikanischen Nationalkongress (ANC) nahestehende Musikerallianz, die sich im Zuge der Überwachung des Kulturboykotts plötzlich zum Hohepriester darüber aufgeschwungen hatte, wer am Kap singen und damit den damals noch herrschenden Boykott des Landes brechen durfte. Auf diese Weise wurde Makeba der so ersehnte erste Auftritt in der alten Heimat verwehrt. Wieder einmal hatte die Politik Afrikas berühmteste Sängerin eingeholt.

Statt auf die Bühne führte der erste Gang „Mama Africa“ deshalb ans Grab ihrer Mutter. Denn als diese 1960 starb, verweigerte Südafrikas Apartheidregime der Musikerin die die Rückkehr. Der Grund: Ein Jahr zuvor war Makeba, damals noch ohne Auswanderungsabsicht, als Sängerin nach London gegangen Nach ihrem Auftritt in dem Anti-Apartheid-Musical „Come back Africa“ entzogen ihr die weißen Machthaber am Kap postwendend den Pass. Für Makeba begann damals, im Alter von nur 28 Jahren, die lange Zeit des Exils.

Ihre kämpferische Natur hatte Makeba schon zuvor immer wieder unter Beweis gestellt - für sich, aber auch für die Menschen ihres Kontinents. Schon als Baby verbrachte sie einige Zeit im Gefängnis, weil ihre Mutter, eine Medizinfrau, vom Apartheidregime wegen illegalen Bierbrauens verhaftet worden war. Berühmt wurde die singende Politikerin jedoch als Kämpferin gegen das Apartheidsystem. Stets wurde sie deshalb neben der Musik auch als politische Symbolfigur wahrgenommen. 1963 forderte sie in einer wütenden Rede vor der Uno den totalen Boykott der weißen Minderheitsregierung. Für viele schwarze Frauen wurde sie in diesem Prozess zum Vorbild und einer Quelle der Inspiration.

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