Zum Tode Frank Schirrmachers
„Er war ein besessener Zeitungsmacher“

Der 54 Jahre alte Journalist und Mitherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ Frank Schirrmacher ist am Donnerstag verstorben. Der Querdenker und Medienmacher hat die politische Agenda der Deutschen geprägt.
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Er war einer der mächtigsten Journalisten Deutschlands. Er war Bestseller-Autor und streitbarer Kritiker seiner Branche: Im Alter von 54 Jahren ist Frank Schirrmacher am Donnerstag überraschend gestorben. Der Mitherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) zeichnete unter anderem für das Feuilleton der Zeitung verantwortlich.

FAZ-Mitherausgeber Werner D'Inka sowie der Verlag der FAZ bestätigten den Tod des 54-Jährigen – und mittlerweile auch, dass Schirrmacher einem Herzinfarkt erlegen ist. Angeblich wurde er leblos in seinem Bett gefunden. „Wir sind tief erschüttert und fassungslos“, teilte Mit-Herausgeber Berthold Kohler mit. „Das ist ein entsetzlicher Verlust für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".“

Schirrmacher trat Mitte der 80er-Jahre in die Feuilleton-Redaktion der FAZ ein und wurde später ihr Leiter. Seit 1994 war er Mitherausgeber der Zeitung. In den vergangenen Jahren hatte Schirrmacher sich auch als Autor zu Themen der digitalen Zukunft einen Namen gemacht.

Noch vor drei Wochen hatte er in einem Interview mit der Zeitschrift „Horizont“ die Verlage als Vorreiter der Digitalisierung in die Pflicht genommen. „Es ist Zeit zu erkennen, dass die Verlage nicht die bedauernswerte Nachhut der digitalen Moderne sind, sondern die Vorhut“, sagte Schirrmacher im Mai.

Bekannt war Schirrmacher neben seiner Arbeit für die FAZ vor allem für seine Bücher geworden, etwa „Das Methusalem-Komplott“ (2004), das in 14 Sprachen übersetzt wurde und sich 400.000 Mal verkaufte. Zuletzt veröffentlichte er das Buch „Ego – Das Spiel des Lebens“, in dem Schirrmacher als einer der ersten die gesellschaftlichen Dimensionen des digitalen Wandels erkannte und eindringlich beschrieb.

Immer wieder hat er die Branche, zu der er selbst gehörte, scharf kritisiert, die öffentliche Debatte vor sich hergetrieben mit provokanten Thesen und sich selbst inszeniert. Schirrmacher war mehr als ein Journalist. Er war ein Medienphänomen. Eines, dass Freitag-Herausgeber Jakob Augstein den „Dirty Harry des Feuilletons“ nannte. Am Abend twitterte Augstein:„Es gibt wirklich nicht viele Leute, von denen man sagen kann, sie seien unersetzlich. Er war einer.“

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„Er war ein besessener Zeitungsmacher“

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Macher und Mahner

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„Welch ein Verlust für unser Land“

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  • Man bleibt erstaunt, zu welchen kommentatorischen Verrenkungen ein simpler Nachruf Anlass geben könnte.

  • Unvergessen bleibt unter anderem seine konservative Kapitalismus-Kritik, die wieder einmal gezeigt hat, wie nah Linke und Rechte in ihrer Marktferne beieinanderliegen.

  • De mortuis nil nisi bene dicendum. RIP...

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