Zur Sicherheit der Feiernden: Rosenmontagszug ohne Mohammed

Zur Sicherheit der Feiernden
Rosenmontagszug ohne Mohammed

Bundeskanzlerin Angela Merkel oder US-Präsident George W. Bush: Mit einiger Sicherheit werden die Politiker auch in diesem Jahr auf den Persiflage-Wagen der großen Rosenmontagszüge mächtig durch den Kakao gezogen. In Bezug auf das Thama Mohammed-Karrikaturen sind sich aber alle einig.

HB DÜSSELDORF. Satirische Islam-Kritik und Mohammed-Karikaturen wird es bei den Zügen in den Karnevalshochburgen nicht geben. "So etwas könnte arg nach hinten losgehen", sagte der Zugleiter des Kölner Rosenmontagszugs, Christoph Kuckelkorn, am Mittwoch der Nachrichtenagentur AP.

Nicht allein der Respekt vor religiösen Gefühlen spiele bei der Entscheidung gegen solche Themen eine Rolle, sagte Kuckelkorn. Die Organisatoren fürchten auch, dass Provokationen für Gewaltausbrüche sorgen könnten. "Wenn wir die Islam-Karikaturen in irgendeiner Weise aufgreifen, müssten wir alle möglichen Folgen einkalkulieren", so der Zugleiter. "Denn das wäre wirklich eine Provokation." Das bedeute nicht, dass er Verständnis für mögliche gewalttätige Reaktionen aufbringe: "Aber damit rechnen muss man."

Die in europäischen Zeitungen erschienenen Karikaturen lösten Anfang dieses Jahres in der islamischen Welt massive und zum Teil gewaltsame Proteste aus. In Nordrhein-Westfalen demonstrierten vor knapp zwei Wochen rund 4.000 Muslime friedlich gegen die Karikaturen. Denkbar seien aber eben auch andere Reaktionen, sagte Kuckelkorn. Auch verletzen wolle man niemanden: "Das gehört auf keinen Fall hierher. Karneval ist ein großes Friedensfest." Auch im durchaus für karnevalistischen Wagemut bekannten Düsseldorf werden keine Anspielungen auf die Karikaturen zu sehen sein. "Wir haben als Veranstalter eine Verantwortung", sagte der Geschäftsführer des "Comitee Düsseldorfer Carneval", Jürgen Rieck.

Prinzipiell sei er zwar durchaus der Meinung: "Im Karneval passt alles." Doch die Reaktionen ließen sich in diesem Fall nicht kontrollieren, und die Sicherheit der Menschen beim Rosenmontagszug gehe vor. Der Düsseldorfer Wagenbaumeister Jacques Tilly stellte sich klar hinter die Entscheidung. Grundsätzlich müsse man im Karneval zwar alles politische Geschehen verarbeiten können, und er habe auch Ideen für Wagen zu dem Thema gehabt. "Aber wer verantwortungsbewusst ist, muss sich nun einmal solche Gedanken machen." Tilly lobte, das Düsseldorfer Komitee habe sich in der Vergangenheit oft als sehr mutig erwiesen, beispielsweise im vergangenen Jahr bei der Präsentation eines Wagens, der Kardinal Meisner als Inquisitor zeigte.

Der Pressesprecher des "Mainzer Carneval-Verein", Karl-Heinz Werner, erklärte, ein Wagen zum Thema Mohammed-Karikaturen sei in Mainz nicht denkbar. "Wir wollen so etwas auch gar nicht. Wir haben da 600.000 Menschen auf der Straße, da kann man das nicht machen." Zudem habe es angesichts der langen Vorbereitungszeit für die Persiflage-Wagen ohnehin keine Möglichkeit gegeben, das Thema aufzuarbeiten. "Selbst wenn wir das gewollt hätten, wir hätten gar nicht mehr reagieren können."

Gleichwohl sollen aber nicht grundsätzlich alle kontroversen Themen vermieden werden, die die islamische Welt berühren. So wird beim Kölner Rosenmontagszug beispielsweise der Atom-Konflikt mit dem Iran thematisiert, wie Zugleiter Kuckelkorn sagte. Auf einem Wagen sehe man George W. Bush in eine Reihe von Fettnäpfen tappen, vom Gefangenenlager Guantanamo über Kyoto bis in den "aktuellsten Fettnapf", den Konflikt mit dem Iran. "Damit wählen wir eine Form, in der wir sozusagen allen Seiten gerecht werden." Und auch die Katholiken kommen möglicherweise beim diesjährigen Kölner Rosenmontagszug nicht ungeschoren davon, wie der Zugleiter sagte - offenbar in Anspielung auf einen der beiden diesmal bis zum Schluss geheim gehaltenen Wagen: "Dazu darf ich aber gar nichts sagen." Es werde dann aber so sein, "dass man es mit einem Augenzwinkern sehen kann. Darüber kann jeder lachen, auch Herr Kardinal Meisner."

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