Zutaten für einen guten Krimi
Senioren rauben Depotfirma aus

Vier Senioren, ein Pub, drei Jahre Planung - ein letzter Coup: Es scheint der Plot eines Krimis, der Diebstahl mit 18 Millionen Dollar Beute ist aber tatsächlich geschehen. Die Lokalpresse spekuliert über einen Filmdreh.

LondonEs ist einer der unverfrorensten, ertragreichsten und in vieler Hinsicht auch komischsten Diebstähle der britischen Kriminalgeschichte. Mehr als 18 Millionen Euro soll die Beute wert sein, die eine Diebesbande im Londoner Diamantenviertel Hatton Garden gestohlen hat - unbemerkt und ohne Waffen, obwohl die Herren im gesetzten Alter nicht gerade zimperlich zu Werke gingen.

Vier Männer, zwischen 60 und 76 Jahre alt, haben sich bereits schuldig bekannt. Sie gelten als Köpfe der Operation, die sie beim Bier in ihrem Stammpub über drei Jahre ausgeklügelt haben sollen. Drei weitere Männer im Alter von 48 bis 60 hat eine Jury in London am Donnerstag schuldig gesprochen, ebenfalls in den Coup verwickelt zu sein. Ein Strafmaß gibt es noch nicht. Ein 42 Jahre alter Taxifahrer wurde freigesprochen.

Mit ihren vielen Drehs und Kuriositäten ist die Geschichte eigentlich fast zu gut, um wahr zu sein. Und schreit geradezu danach, verfilmt zu werden. In Großbritannien vermutet man, dass die Kinofassung wohl „Die bösen Opas“ oder so ähnlich heißen dürfte.

Am Vorabend des Karfreitags 2015 ist alles still im Londoner Viertel Hatton Garden, wo schon seit Jahrhunderten mit Juwelen gehandelt wird. Eine Diebesbande bricht in eine Depotfirma ein, gelangt über einen Liftschacht in den Keller. Mit schwerem Gerät bohren sie ein Loch in eine mehr als einen halben Meter dicke Betonwand, groß genug, um hindurchzukriechen. Im Tresorraum brechen die Männer 73 Safes auf. Ihr Beute transportieren sie - vor laufender Überwachungskamera - in Sporttaschen und Mülleimern auf Rollen zu einem unauffälligen weißen Van. Für all das lassen sie sich das Osterwochenende über Zeit. Und keiner merkt was.

Natürlich hatte die Depotfirma eine Alarmanlage, die auch funktionierte. Eine Sicherheitsfirma rief in der Nacht zum Karfreitag die Polizei an, es habe einen Alarm gegeben. Nur reagierte Scotland Yard nicht. Begründen konnte das später niemand so recht. Die Ermittler mussten sich dafür reichlich Spott gefallen lassen. Der Einbruch fiel erst am Dienstag nach Ostern auf. Immerhin: Die belächelten Ermittler ließen nicht locker, hörten die Drahtzieher beim Prahlen über ihren Coup ab und schlugen im Mai schließlich zu.

Dass die britische Presse ihre Sympathie mit den Dieben nur schwer verbergen kann, liegt auch am fortgeschrittenen Alter und ihren regelmäßigen Planungskonferenzen im Pub. Die vier geständigen Drahtzieher sind alle bereits wegen früherer Delikte verurteilt, saßen teils lange im Gefängnis. Sie seien „mit viel Erfahrung in Planung und Ausführung“ ans Werk gegangen, stellte Staatsanwalt Philip Evans vor Gericht fest. Ein 75-Jähriger soll allerdings beim Schmierestehen eingeschlafen sein.

Dazu sind die Männer auch noch schön exzentrisch, wie es die Briten mögen: Der mit 60 Jahren jüngste mutmaßliche Haupttäter soll nach Aussage seines Bekannten im Morgenmantel seiner Mutter und mit einem Fes auf dem Kopf schlafen und zudem ausführlich mit seinem Hund sprechen. Über einen geheimnisvollen Rothaarigen, der Basil genannt wird und die Diebe ins Haus gelassen haben soll, ist noch gar nichts bekannt.

Ebendieser 60-Jährige hat der Polizei (und einem Sky-Reporter) verraten, wo er seinen Anteil am Diebesgut versteckt hat: Verbuddelt auf einem Friedhof, unter Gedenksteinen für Verwandte der Mutter seiner Kinder. Er wolle seinen Lieben zeigen, dass er versuche, sich zu bessern, erklärte er - und fügte hinzu: „Ich weiß, es ist ein bisschen spät.“

Andere Teile der Beute wurden bei den Verdächtigen zu Hause gefunden, etwa unter der Mikrowelle versteckt oder klassisch unter einem Brett des Holzbodens. Rund zwei Drittel des Diebesguts aus Juwelen, Gold, Uhren, Geld und Schmuck bleiben aber verschwunden.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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