Zwei Jahre nach dem Tsunami
„Wir wollen nach vorne blicken“

Mehr als 8000 Menschen kamen bei der Tsunami-Katastrophe in Thailand ums Leben, darunter viele westliche Touristen. Das Land am Indischen Ozean sah schon einen seiner wichtigsten Wirtschatszweige, den Tourismus, auf Jahre hinweg ausfallen. Die Urlauber sind schnell wiedergekommen, doch die Wunden, die die Flut hinterlassen hat, sind nicht zu übersehen.

HB PHUKET. Es läuft wieder in Thailand mit dem Tourismus: Auf Phuket sind die Betten in dieser Weihnachtssaison voller als je zuvor. Am Patong-Strand auf der Westseite der Ferieninsel sitzen knapp beschürzte Thailänderinnen wie eh und je auf Barhockern, am Strand aalen sich Badenixen und die Tauchschulen sind auch zufrieden. „Wir wollen nichts mehr hören vom Tsunami“, sagt eine deutsche Tauchladenbesitzern in Phuket genervt. „Geschichte, wir wollen nach vorne blicken.“ Doch die Narben der größten Naturkatastrophe der jüngeren Geschichte sind noch zu sehen, fernab der Touristenstrände, zum Beispiel 150 Kilometer weiter nördlich.

Panlan ist eineinhalb. Die Kleine war noch nicht auf der Welt, als die Killerwelle ihren Bruder und Großvater in den Tod riss. „Der Vater wurde nie gefunden“, sagt Rotjana Phraesrithong. Sie leitet in Bang Muang ein Waisenhaus für 27 Tsunami-Opfer. Panlans Mutter hat einen Laden aufgemacht, um über die Runden zu kommen. Sie besucht ihre Tochter jeden Abend, für sie sorgen kann sie nicht. Auch Gay lebt hier. Der Sechsjährige verlor seine Mutter, der Vater wurde schwer verletzt. Die Schwester lebt bei der Großmutter.

Die Kinder toben an einem Sonntag im Dezember ausgelassen auf der Terrasse. Hier scheint ihre Welt in Ordnung. „Sie haben das liebste, ihre Familie verloren, wir können ihnen wenigstens ein sicheres Heim und eine Ausbildung für das spätere Leben geben“, sagt die Leiterin.

Das Waisenhaus hat weitgehend Lothar Schudt (64) gebaut, mit seinen Freunden. Der frühere Schweizer Hotelier lebt seit zwölf Jahren mit seiner Frau auf Phuket. „Ein Gebot der Menschlichkeit, da packt man an“, sagt er. Er war in den Stunden und Tagen nach der Katastrophe mitten drin, half Touristen in Khao Lak, unter den hunderten Toten ihre Angehörigen zu finden. Dann fuhr er weiter und sah vor allem das Elend der ganz Kleinen. Aus der ersten Hilfe mit Lebensmitteln, Milchpulver und Windeln wurde das Waisenhausprojekt. Demnächst wird ein Nutzgarten in Betrieb genommen, damit die Küche mit Obst und Gemüse versorgt werden kann.

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