Zwei kritische Punkte haben sich an den vier Verhandlungstagen herausgeschält
Die Crux mit der „Linksblinkerfraktion“

Die Beweislage ist dünn, die Indizien lassen sich nicht zu einem klaren Bild zusammenfügen: Im Autobahnraser-Prozess gegen „Turbo-Rolf" steht das Gericht, das am Mittwoch sein Urteil verkünden will, vor einer schwierigen Entscheidung. Klar ist nur so viel: Der Prozess ist ein Lehrstück über den Alltag auf deutschen Autobahnen und wird Raser nicht abschrecken.

HB KARLSRUHE. Es passiert jeden Tag: Schnelle Wagen rasen auf der Überholspur und drängeln langsame Autos zur Seite. Hundertfach geht das Tag für Tag gut. Am 14. Juli 2003 ging es nicht gut. Eine 21-jährige Autofahrerin verliert auf der Autobahn A 5 die Kontrolle über ihren Kleinwagen. Die Frau und ihr zweijähriges Kind kommen ums Leben. Über den mutmaßlichen Unfallverursacher wird an diesem Mittwoch das Urteil des Karlsruher Amtsgerichts gesprochen.

„An dem Angeklagten soll kein Exempel statuiert werden“, sagte Oberstaatsanwalt Matthias Marx in seinem Plädoyer. Aber Marx gibt auch zu, dass die Beweislage nicht gerade üppig ist und „kaum ein Verkehrsunfall in der Geschichte der Bundesrepublik die Gemüter so erregt hat wie dieser“. Wenn das Gericht Marx folgt und eine 21- monatige Haftstrafe verhängt, wird mit einer Berufung der Verteidigung gerechnet. Folgt das Gericht der Verteidigung und verkündet einen Freispruch, dürfte die Staatsanwaltschaft an der Reihe sein.

Zwei kritische Punkte haben sich an den vier Verhandlungstagen herausgeschält: Erstens die Rolle der Zeugen, die den Fahrzeugtyp des Autobahnrasers erkannt haben wollen. Und zweitens die Rolle eines 40- jährigen Daimler-Chrysler-Ingenieurs, der als Vorgesetzter des Angeklagten an jenem Unglücksmorgen ebenfalls über die A 5 zur Teststrecke nach Papenburg gefahren war. Der Angeklagte mit dem Spitznamen „Turbo-Rolf“ saß in einem Mercedes CL 600 Coupé, sein Vorgesetzter in einer S-Klasse-Limousine. Von hinten unterscheiden sich beide Fahrzeugtypen nur unwesentlich.

Einer der drei Hauptzeugen will erkannt haben, dass das Raserfahrzeug zwei getrennte Scheinwerfer auf jeder Seite gehabt habe. Das spräche für den Coupé des 34-Jährigen. Doch lassen sich solche Details überhaupt zweifelsfrei erkennen, wenn man - wie der Zeuge angegeben hat - selber mit Tempo 220 über die Autobahn rast und von einem anderen Fahrer „flott und zügig überholt“ wird?

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