Zwei Tote
Geisel-Drama auf Nasa-Gelände wegen Job-Problemen

Job-Probleme haben offenbar den Weltraum-Ingenieur zu dem Geiseldrama auf dem Gelände des Nasa-Kontrollzentrums in Houston veranlasst. Der Mann hatte einen Kollegen erschossen und sich anschließend selbst das Leben genommen. Offen bleibt: Wie konnte der Mann die Waffe in das gesicherte Areal schmuggeln?

HB HOUSTON. Der Täter habe Angst gehabt, seinen Arbeitsplatz zu verlieren, nachdem eine Überprüfung wegen schlechter Arbeitsleistungen angeordnet worden war, berichtete die Tageszeitung „Houston Chronicle“ unter Berufung auf die Ermittler. Der mit einer Pistole bewaffnete Täter hatte am Freitagnachmittag seinen 63 Jahre alten Vorgesetzten erschossen und danach eine Mitarbeiterin als Geisel genommen.

Schließlich hatte sich der Geiselnehmer am Abend selbst das Leben genommen. Die Mitarbeiterin blieb dagegen unverletzt, wie die Polizei mitteilte. Die Gewalttat dürfte angesichts des jüngsten Universitätsmassakers von Virginia die Debatte über strengere Waffengesetze in den USA weiter anfachen.

Täter, Opfer und Geisel sollen noch vor der Tat gemeinsam Mittagessen gegangen sein, berichteten US-Medien unter Hinweis auf die Ermittler. Dabei soll es zwischen Täter und Opfer zum Streit gekommen sein. „Es gab einen Disput zwischen dem Verdächtigen und dem Opfer“, sagte der Polizeichef von Houston Harold Hurtt. Die Ehefrau des getöteten NASA-Mitarbeiters sagte dem lokalen Sender KPRC, dass ihr Mann den Namen des Täters erwähnt habe. Es sei aber nicht fair, den genauen Wortlaut zu wiederholen.

Das Geiseldrama hatte gegen 13.40 Uhr Ortszeit (20.40 Uhr deutscher Zeit) begonnen, als der Täter Bill Phillips ein Gebäude auf dem weitläufigen Nasa-Gelände betrat und mit einer Waffe umherfuchtelte, wie die Polizei weiter mitteilte. Kurz darauf seien mindestens zwei Schüsse gefallen. Der Mann habe sich anschließend in einem Raum verbarrikadiert. Das Gebäude sei evakuiert worden; ein Sondereinsatzkommando der Polizei sei in Stellung gegangen.

Die Einsatzkräfte hätten daraufhin einen weiteren Schuss gehört und den Raum gestürmt, wo sie die getötete Geisel und den Täter mit einem Kopfschuss vorgefunden hätten, erklärte Polizeisprecher Dwayne Ready. Zuvor war noch von einem Schusswechsel mit dem Täter die Rede gewesen. Die zweite Geisel, sei ohne größere Verletzungen in Sicherheit gebracht worden. Sie war an einen Stuhl gefesselt, aber unverletzt gefunden worden. Auf einem Tisch habe Phillips eine Liste mit Namen und Telefonnummern hinterlassen, mit deren Hilfe Angehörige schneller von seinem Tod informiert werden sollten.

Straßen zum Johnson Space Center wurden gesperrt. In einer nahe gelegenen Mittelschule blieben Schüler und Lehrer nach Schulschluss vorsorglich in dem Gebäude. Die Türen zum Raumflugkontrollzentrum waren routinemäßig abgesperrt. Präsident George W. Bush wurde über die Lage informiert, wie die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino mitteilte.

„Natürlich haben wir nie gedacht, dass so etwas passieren könnte“, sagte der Chef des Johnson Space Center, Michael Coats. Der Täter habe bereits seit zwölf Jahren im Auftrag der Zulieferfirma Jacobs Engineering an dem Nasa-Zentrum gearbeitet. Der 60-Jährige war nach Angaben der Zeitung unverheiratet und kinderlos, wie die Zeitung „Houston Chronicle“ auf ihrer Internetseite berichtete. „Bis jetzt war er stets ein guter Angestellter“, hatte Coats über Phillips zunächst gesagt. Im Johnson Space Center sind die Einsatzleitung und das Ausbildungszentrum für die Astronauten der Nasa angesiedelt.

Wie die Polizei weiter mitteilte, war es dem Mann gelungen, einen Revolver an den Sicherheitskontrollen vorbei zu schmuggeln. Nasa-Sprecher Doug Peterson sagte, die Raumfahrtbehörde werde nun ihre Sicherheitsmaßnahmen gründlich überprüfen. Bisher reicht es, wenn Mitarbeiter bei der Einfahrt in das Space Center ihren Ausweis zeigen. Mit dem Ausweis bekommen sie auch Zugang zu bestimmten Gebäuden.

Erst vor wenigen Tagen hatte ein Amokläufer an einer Universität im US-Bundesstaat Virginia 32 Menschen erschossen und sich anschließend selbst getötet. Die Tat löste im ganzen Land Fassungslosigkeit und Entsetzen aus. Forderungen nach strengeren Waffengesetzen wies die Regierung von Präsident George W. Bush allerdings zurück. Im jüngsten Fall hatte Phillips nach Angaben der Polizei seine Tatwaffe vor etwa einem Monat in einem örtlichen Waffenladen gekauft.

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