Zweite Woche gestartet
Dutroux-Prozess: Chefermittler äußert sich zu Vorwürfen

Das Schwurgericht setzte am Montag die Zeugenvernehmung im Dutroux-Prozess fort. Nachdem der ehemalige Chefermittler Jean-Marc Connerotte letzte Woche als erster Zeuge der Polizei schwere Ermittlungspannen vorgeworfen hatte, äußerte sich nun sein Nachfolger.

HB ARLON. Jacques Langlois hatte die von Connerotte verfolgten Hinweise auf mögliche Netzwerke des Kindesmissbrauchs nicht weiter untersucht. Dafür war er in die Kritik der Medien geraten. Heute kommentierte er sein Vorgehen: „Ich war bei meiner Tätigkeit keinerlei Druck ausgesetzt - weder von Seiten der Gendarmerie noch von Seiten der Politik“.

Langlois hatte Connerotte als Chefermittler abgelöst, nachdem diesem aufgrund eines Essens mit den Eltern der Opfer Befangenheit vorgeworfen worden war. Dies war in der belgischen Öffentlichkeit als weiterer Beleg für die Verstrickung von Teilen des Justizsystems in die Dutroux zur Last gelegten Verbrechen gewertet worden. Ende Oktober 1996 demonstrierten 300 000 Menschen in Brüssel in einem so genannten Weißen Marsch gegen die Arbeit von Polizei und Justiz.

Sieben Jahre lang führte Langlois daraufhin die Ermittlungen im Fall Dutroux. In dieser Zeit hat er sich nie zu den Vorwürfen der Öffentlichkeit geäußert. Am Montag sagte er aus, unparteiisch und unabhängig gehandelt zu haben. Langlois zeigte sich überzeugt, politische Interessen stünden bei der Aufklärung der Entführung und Ermordung junger Mädchen Mitte der 90er Jahre nicht auf dem Spiel: „Es gibt hinter diesem Fall keine Staatsräson, da will ich ganz deutlich sein“, sagte der Untersuchungsrichter am ersten Tag seiner Zeugenaussage

Am Donnerstag hatte Connerotte auf die "erschreckende Professionalität" Dutroux' in Bezug auf die Folter der Opfer hingewiesen. Er warf der Polizei erhebliche Fehler bei der Ermittlung vor. So sei beispielsweise ein Schriftstück, das der Polizei bereits im Juli 1995 vorgelegen habe, zurückgehalten worden. Darin sei von Kindesentführungen, Geld und Schiebereien ins Ausland die Rede gewesen.

In dem zwei Monate andauernden Prozess wird das Gericht noch 500 Zeugen zu Wort kommen lassen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%