Zwischen die Fronten geraten
Kongo-Milizionäre halten FAZ-Jounalisten fest

Der Afrika-Korrespondent der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Thomas Scheen, ist im Ost-Kongo von bewaffneten Milizionären gefangengenommen worden. Der Jounalist war im Krisengebiet in Ost-Kongo zwischen die Fronten geraten.

dpa BRÜSSEL. Die FAZ bestätigte am Donnerstag in Frankfurt die Festnahme des Journalisten. Scheen sei am Dienstag während der Berichterstattung aus dem Krisengebiet in Ost-Kongo "zwischen die Fronten geraten" und gefangengenommen worden, heißt es in einer Mitteilung der FAZ.

Der Sprecher des belgischen Außenministeriums, François Delhaye, sagte der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel, Scheen befinde sich in der Hand von Angehörigen der sogenannten Mai-Mai-Milizen. Sie wollten den aus Eupen (Belgien) stammenden Journalisten nur freigeben, wenn der Rebellengeneral Laurent Nkunda seine Truppen zurückziehe. Zu Berichten über Lösegeldforderungen sagte er lediglich: "Es gibt offensichtlich politische Forderungen und andere Forderungen."

Scheen befinde sich in der Nähe des Ortes Rutshuru nördlich der Stadt Goma. Dort sei er Zeuge schwerer Kämpfe geworden. "Wir wissen mehr oder weniger, wo er sich befindet." Über den Zustand des Journalisten gebe es jedoch keine verlässlichen Informationen. Das belgische Außenministerium befinde sich im Kontakt "mit allen, die zur Freilassung Scheens etwas beitragen könnten". Dies seien unter anderem der Arbeitgeber Scheens und auch die UN-Friedenstruppe MONUC, die in der Nähe Rutshurus stationiert sei.

In einer Erklärung der FAZ hieß es, alle zuständigen Stellen bemühten sich "mit Nachdruck" um die Freilassung des Journalisten. Das Auswärtige Amt in Berlin teilte lediglich mit, die deutschen Botschaften in Kinshasa und Kigali bemühten sich zusammen mit den örtlichen Behörden um eine rasche Aufklärung des Falles.

In der Gegend von Rutshuru haben sich in den vergangene Tagen Rebellen des Tutsi-Generals Nkunda und Angehörige der Mai-Mai heftige Kämpfe geliefert. Nkunda kämpft mit Unterstützung des benachbarten Ruanda eigenen Angaben zufolge für die Rechte der im Kongo lebenden und aus Ruanda stammenden Tutsi-Bevölkerung, während die Mai-Mai die ruandischen Rebellen in ihrem Land bekämpfen.

Scheen ist nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" seit November 2000 Afrika-Korrespondent des Blattes, seit 2005 mit Sitz in Johannesburg (Südafrika). Er gehört der Redaktion seit Januar 2000 an.

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