150. Geburtstag: Matte Ouvertüre zum Klimt-Jahr

150. Geburtstag
Matte Ouvertüre zum Klimt-Jahr

Das Belvedere prescht im Jubiläumsjahr zum 150. Geburtstag von Gustav Klimt mit der ersten Ausstellung voran.
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WienGustav Klimt genießt längst globale Anerkennung. Zum Auftakt des Jubiläumsjahres widmet das Wiener Belvedere dem Künstler, der vor 150 Jahren geboren wurde, bereits vor allen anderen Museen eine Sonderausstellung.

Der Trick, mit dem Danny Ocean und sein Team in „Ocean's Eleven“ Terry Benedict ein Vermögen abknöpften, war raffiniert. Im zweiten Teil des Gangsterepos bekommt der Casinoboss das geraubte Geld samt Zinseszinsen zurück. Im Moment der Scheckübergabe erhascht man einen Blick auf ein Kunstwerk im Hintergrund. Nein, es ist kein Picasso, sondern ein Werk von Gustav Klimt, nämlich jenes legendäre Bildnis der Industriellengattin Adele Bloch-Bauer, das sich der Unternehmer Ronald Lauder stolze 135 Millionen Dollar kosten ließ.

Adeles Filmauftritt dauerte zwar nur wenige Sekunden, verweist aber auf die globale Anerkennung, die Klimts Kunst mittlerweile genießt. Und Ronald Lauder ist einer ihrer Väter, vor allem dank der in seiner New Yorker Neuen Galerie in den letzten Jahren veranstalteten Ausstellungen. Aus der Perspektive anspruchsvoller Kunstkonsumenten repräsentierten diese einen Maßstab dessen, was im Bereich des Möglichen liegt.

Im Treppenhaus liegt Paonazzo-Marmor.

Als dort Klimts Atelier rekonstruiert wurde, tat man das mit einem Aufwand, der sogar die Nachempfindung der Lichtverhältnisse des nordseitig gelegenen Raums mit einschloss. Solche Detailverliebtheit verlangte selbst dem Fachpublikum Respekt ab. Schon allein deshalb, weil derlei deutlich über dem Durchschnitt dessen liegt, was Kuratoren europäischer Institutionen sonst konzipier(t)en. Keine Frage, wenn das Belvedere in der aktuellen Ausstellung "Gustav Klimt / Josef Hoffmann" (Unteres Belvedere, bis 4. März 2012) für die Rekonstruktion des Treppenhaus-Fragments des Palais Stoclet Paonazzo-Marmor aus Carrara herankarren oder einen Teppich von Josef Hoffmann nachknüpfen lässt, dann zeugt das zweifellos von Leidenschaft. Nur verpufft diese leider, weil der normale Ausstellungsbesucher die Relevanz eines Treppenhauses vermutlich nicht nachvollziehen kann, und weil sich die Versierten fragen, warum ausgerechnet dieses Element für das 1906 bis 1911 in Brüssel erbaute Gesamtkunstwerk stehen soll. Weil es der zentrale Punkt im Haus sei, erklärt Kurator Alfred Weidinger auf Anfrage, und weil es alles dokumentiere, wofür dieses Stadtpalais stehe: Für die Verwendung der kostbarsten Materialien, die nur von den findigsten Handwerkern nach Entwürfen der einfallsreichsten Künstler verarbeitet wurden.

Es ist also ein architektonisches Zitat, über das Gustav Klimt und der Architekt und Gestalter Josef Hoffmann zueinander finden. Zwei Pioniere der Moderne, die nicht nur eine Vision, sondern auch ihre Auftraggeber teilten. Dokumentiert wird dieser Aspekt mit originalen und nachgebauten Einrichtungsgegenständen, die porträtierte Damen der Gesellschaft begleiten: Fritza Riedler an Klimt'schem Atelierschrank und Hoffmann'schen Fauteuil-Akzenten oder Marie Henneberg über einem rekonstruierten Kaminfragment. Und weil die Nennung des Gestalters Hoffmann im Ausstellungstitel dann doch mehr Präsenz abnötigt, zeigt man von ihm einige Schmuck-Broschen samt zugehörigen Entwurfszeichnungen, die Gestaltung eines Secessionsraums anlässlich der Beethoven-Ausstellung 1902 nicht zu vergessen. Insgesamt halbherzige Zitate dessen, was Hoffmanns Virtuosität tatsächlich ausmachte. Das Kunstgewerbe wird in dieser Schau in seine Schranken gewiesen, obwohl Klimts Hinwendung zu diesem belegt ist. Und das von Achitekturmodellen akzentuierte Nebeneinander bildender Werke erschließt sich nicht immer.

Das Klimt-Jahr ist für den Tourismus ein Geschenk des Schicksals.

Insgesamt ist die Schau "Klimt / Hoffmann" eine etwas bemühte Ouvertüre zum Jubiläumsjahr. Zumal ab Mitte Juni ein interdisziplinäres Konzert im Oberen Belvedere ("150 Jahre Gustav Klimt", bis 6.1.2013) angekündigt ist. Als ein Geschenk des Schicksals bezeichnet Wien-Tourismus dieses Jahr, dementsprechend dicht ist die Abfolge der avisierten Präsentationen. Wann immer Städtetouristen nach Wien kommen, ein Scherflein Klimt bekommen alle ab. Besonders vielversprechend klingt die im Leopold-Museum (24.2.-27.8.) anberaumte Ausstellung, in der man über die Aufarbeitung von Autographen auch dem Menschen Gustav Klimt begegnen soll.

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