1500 Gemälde
Erben fordern Offenlegung des Kunstfunds

Die Erbenvertreter der jüdischen Kunstsammler üben starke Kritik an den Behörden. Sie fordern Transparenz bezüglich des Inhalts der Sammlung. Der Fund könnte für die Pinakothek bittere Folgen haben.
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DüsseldorfIm Fall des sensationellen Fundes von 1500 Gemälden berühmter Künstler der sogenannten klassischen Moderne kritisieren die Vertreter der Erben jüdischer Kunstsammler die Behörden scharf. Die Geheimhaltung des Fundes sei ein Verstoß gegen die Washingtoner Erklärung, in der sich 44 Staaten über den Umgang mit Beutekunst der Nazis verständigt haben, sagt etwa der Rechtsanwalt Markus Stötzel, der von den Erben des jüdischen Kunsthändlers Alfred Flechtheim mandatiert ist, dem Handelsblatt (Dienstagausgabe, ganze Ausgabe hier zum Download).

Stötzel fordert, wie auch der New Yorker Anwalt David Rowland, der zwischen 30 und 40 Erbengemeinschaften und Nachfahren jüdischer Kunstsammler vertritt, absolute Transparenz bezüglich des Inhalts der Sammlung. Die Berliner Anwältin Imke Gielen aus der Kanzlei Trott zu Solz Lammek würde die Offenlegung ebenfalls begrüßen.

Der Fund stammt aus dem Privatbesitz von Cornelius Gurlitt – einem Sohn des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt, der in den 30er Jahren einer von vier Unterhändlern der Nationalsozialisten war, die mit dem Verkauf der so genannten „entarteten Kunst“ ausschließlich an ausländische Interessenten betraut waren. Die Gemälde waren von den Nazis nicht nur von Privatpersonen geraubt sondern auch aus Museen und Galerien beschlagnahmt worden.

Für die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen könnte der sensationelle Kunstfund bittere Folgen haben. Sie streiten mit den Erben des einstigen jüdischen Kunstmäzens Alfred Flechtheim seit Jahren um sechs Werke von Max Beckmann, darunter das Bildnis seiner Ehefrau mit dem Titel „Quappi in blau“. Dabei geht es um die Frage, ob der von den Nazis verfolgte Flechtheim bereits 1932 seine gesamte Beckmann-Sammlung an den New Yorker Galeristen J. B. Neumann verkauft hat oder nicht. Dieses scheinbar unwichtige Detail aus dem Lebenslauf des Kunstsammlers und Galeristen ist von ganz entscheidender Bedeutung: Denn alle Bilder, die nach dem 30. Januar 1933 noch im Besitz von Flechtheim waren, müssten heute nach den Washingtoner Prinzipien zum Umgang mit NS-Raubkunst an die Erben zurückerstattet werden.

Sollten sich in dem Fund Bilder aus der Sammlung Flechtheims finden, wäre dies ein starkes Indiz, dass Flechtheim seine Werke später und unter dem Druck der Nazis verkauft hat. Laut der Washingtoner Erklärung wären die Gemäldesammlungen dann verpflichtet, die Bilder an die Erben zurückzugeben.

Wolfgang Reuter
Wolfgang Reuter
Handelsblatt / Ressortleiter

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  • Bei dem Beckmann handelt es sich offensichtlich eben nicht um Raubkunst,sondern laut Werkverzeichnis ist die Gouache doch von Dr. Gurlitt bei Flechtheim vor 1933 erworben worden.Sie war in keiner Verlustdatenbank lt. dem renommierten Haus Lempertz verzeichnet.Die besondere Vorsicht bei Lempertz wegen der beiden jüdischen Proveninezen hat doch dann auf Vermittlung von Lempertz sogar zu einer gütlichen Vereinbarung geführt. M.E. mustergültig.Wieso nur hat der Zoll das alles zwei Jahre verschwiegen und den Kunstmarkt nicht informiert.? Die Beckmann Arbeit war auch nicht verschollen,denn im Werkverzeichnis stand als Eigentümer H.Gurlitt,München. Bis vor einigen Jahren existierte doch auch noch eine Galerie Gurlitt in der Galeriestr. In München.

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