19. Jahrhundert
Blick auf eine fremde Kultur

Charles Booth-Clibborn hat eine Schwäche für deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts. Jetzt zeigt das British Museum die uferlose Sammlung des Graphik-Verlegers. In Zukunft soll die Kollektion im British Museum ihr Zuhause haben.
  • 0

LondonMan braucht im London des 21. Jahrhunderts einen selbstständigen Blick, um eine Landschaft des deutschen Italienmalers Joseph Anton Draeger an der Wand zu haben. Wenn es nicht gerade um trendige Nachkriegskunst geht, wie sie Charles Saatchi gerade zeigt, oder arrivierte Expressionisten, die den Angelsachsen lange genug suspekt waren, ist deutsche Kunst Stiefkind in England. Gegen diesen Trend hat Charles Booth-Clibborn, Gründer und Verleger der am internationalen Kunstmarkt durch kostbare Grafikeditionen bekannten Paragon Press, in über zehn Jahren die bedeutendste Privatsammlung deutscher Kunst des 19. Jahrhunderts in England aufgebaut. Sie umfasst ausschließlich Arbeiten auf Papier. Höhepunkte sind derzeit im grafischen Kabinett des Britisch Museum in London zu sehen.

Booth-Clibborns Vorliebe für die deutsche Romantik ist in eine breit angelegte Sammeltätigkeit eingebettet. In seinem Büro in einem feudalen Wohnhaus in Kensington hängt neben dem geheimnisvollen Deutschrömer Draeger auch eine Zeichnung von Adam Friedrich Oeser, dem Zeichenlehrer des Ästhetikers Johann Joachim Winkelmann. Daneben die Werke der britischen Zeitgenossen Christopher Le Brun und Alan Davie und eine Porträtmedaille Henry Moores im Stile der Renaissance sind hier zu sehen. Dies ist ein Sammler ganz aus unserer Zeit, der lang schon die Grafik von Georg Baselitz sammelt und mehr deutsche Nachkriegskunst kaufen würde, „wenn sie nicht so sündhaft teuer wäre“.

Dem Museum versprochen

Die Ausstellung „Landschaften, Helden und Märchen“ im Britischen Museum zeigt aber, dass die Sammlung Booth-Clibborn nicht gerade ein Sparunternehmen ist. Eine solche Ausstellung ausschließlich mit Material einer Sammlung zu bestreiten, würde Naserümpfen auslösen. Aber die Sammlung ist dem Britischen Museum mehr oder weniger versprochen – hier wird auch eine mäzenatische Beziehung manifestiert.

„Ich helfe dem Britischen Museum seit langem mit Werken, die fehlen“, sagt Booth-Clibborn bescheiden. Jüngst vermachte er dem Museum das „Porträt der Brüder Eberhard“ von Johann Anton Ramboux nach dem 1822 in Rom ausgeführten Gemälde. Es ist „einer jener Fälle, wo der Druck wichtiger ist, als das zugrundeliegende Gemälde“ wie der Sammler anmerkt. Seine Bewunderung für die deutsche Graphik und ihren technischen Standard ist sozusagen der professionelle Aspekt der Sammelleidenschaft des Verlegers.

Seite 1:

Blick auf eine fremde Kultur

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " 19. Jahrhundert: Blick auf eine fremde Kultur"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%