19. Jahrhundert
Das Angebot wird ausgesiebt

Bei der Malerei des 19. Jahrhunderts erregen nur noch die Meisterwerke Aufmerksamkeit. Sotheby's Auktion in London brachte sinkende Preise und eine hohe Rückgangsrate. Nach drei Jahren kehrt der Markt auf Normalniveau zurück.
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London Die Malerei des 19. Jahrhunderts hat nur noch bei den außergewöhnlichen Werken im absoluten Spitzenbereich ein internationales Gefolge. Wo diese fehlen, lichtet sich der Markt aus – mit sinkenden Preisen. Dies zeigte Sotheby’s jüngste Auktionsserie, der es an großen Losen fehlte. Sie hatte eine Rückgangsrate von 45 Prozent. Die Gesamteinnahme war mit 5,4 Millionen Pfund nur halb so hoch wie vor einem Jahr. Der Markt fand damit nach drei Jahren ungewöhnlich starker Angebote zu seinem Normalniveau zurück.

Ausreißer sind selten geworden

Im Spitzenbereich sind Ausreißerwerke wie die im letzten Jahr für 36 Millionen Dollar versteigerte „Auffindung des Moses“ von Lawrence Alma-Tadema selten. Christie’s wird diesen Markt im Juni in seiner Russland-Auktion testen, wenn Ilya Repins „Pariser Café“ von 1875 versteigert wird. Dieses Bild, während des Pariser Aufenthalts des jungen Repins entstanden, ist mit seiner aufmerksamen Beobachtung der westeuropäischen Gesellschaftswelt eine Ausnahme im Werk des Malers. Es ist laut Christie’s sein bedeutendstes Werk, das sich noch in privater Hand befindet – seit 1916 in schwedischem Familienbesitz. Entsprechend hoch ist die Taxe, die mit 3 bis 5 Millionen Pfund weit über Repins Spitzenpreis von 1,4 Millionen Pfund liegt.

„Dies ist ein Bild für den internationalen Masterpiece Markt“, glaubt Christie’s-Expertin Sarah Mansfield; entsprechend ausgerichtet ist die internationale Marketingstrategie. Zusammen mit dem Gemälde wird mit einer Lockschätzung von nur 150.000 bis 250.000 Pfund Repins Skizzenbuch verkauft, mit 120 meist sehr fein ausgearbeiteten Bleistiftzeichnungen, alle mit Vorstudien für das große Bild, ein außerordentlicher Fund.

Schwaches Angebot an deutscher Kunst

Sotheby’s Auktion war vor allem im Bereich der deutschen Kunst dünn. Von 40 deutschen, österreichischen und polnischen Losen wurden 22 verkauft. Das auf dem Katalogumschlag abgebildete Frauenporträt (Thekla Gräfin Ludolf) des Dresdner Porträtisten Carl Christian Vogel von Vogelstein, von den Dresdner Staatlichen Kunstsammlungen restituiert, brachte mit 79.250 Pfund die obere Schätzung. Vogelsteins schwungvolles Porträt des Künstlerkollegen Friedrich von Amerling jedoch blieb ebenso unverkauft wie eine doch nicht hinreichend attraktive „Schöne Römerin“ von Friedrich Wilhem von Schadow. Sie war auf 60.000 bis 80.000 Pfund geschätzt. Erfolgreich waren eine 90 cm große Petersplatz-Vedute des Rudolph von Alt mit 133.250 Pfund. Zum teuersten Los dieser Sektion wurde eine antikisierende Brunnenszene des Polen Henry Siemiradski mit 301.250 Pfund. Sie befand sich einst im Besitz von Barbara Piasecka Johnson.

Preisbewusste Orientalismus-Sammler

Orientalisten wurden einigermaßen gut, aber sehr preisbewusst beboten mit vielen Zuschlägen im unteren Schätzbereich. Zwei Konstantinopel-Ansichten schafften es in den Spitzenbereich: eine von Hermann Corrodi mit 361.250 Pfund, die zweite von Girolamo Gianni mit der dreifachen Schätzung von 163.250 Pfund. Toplos der Auktion war eine auf nur 150.000 bis 250.000 Pfund geschätzte Bravourmalerei des jung gestorbenen Spaniers Mariano Fortuny. Die Darstellung eines arabischen Kriegers vor einem großen Wandteppich spielte 735.650 Pfund ein.

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent

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