"24", "Alias ", „Sex and the City“ haben eingefleischte Fangemeinse
US-Serien haben es nicht leicht

Mit 1,5 Millionen Zuschauern der US-Serie "24" kann RTL2 zufrieden sein. Überwältigend ist die Einschaltquote jedoch nicht: Auch wenn US-Produktionen hervorragend gemacht sind, begeistert sich der deutsche Zuschauer längst nicht mehr so dafür wie früher.

HB HAMBURG. Für den Münchner Privatsender RTL II, der mit hohen PR-Kosten das neue Format "24" in Deutschland platzierte, sind die 1,5 Millionen Zuschauer ein zufriedenstellender, aber nicht überwältigender Wert. Wie manch andere hoch gelobte US-Serie ist auch „24“ technisch hervorragend gemacht, doch der deutsche Zuschauer rennt US-Produktionen längst nicht mehr so bedingungslos hinterher wie früher.

Den besten Beweis lieferte die Emmy-Verleihung am Montag in Los Angeles. Die prämierten US-Produktionen sind in Deutschland fast unbekannte Größen: Die mit vier Emmys honorierte Serie „Alle lieben Raymond“ wurde einmal von ProSieben (erste Staffel) und RTL II (zweite Staffel) gezeigt. Auf eine Fortsetzung verzichteten beide Sender. Die wilden Machenschaften eines Mafia-Clans in „Sopranos“ (auch vier Emmys) dümpelten erfolglos beim ZDF umher. Und „West Wing“ (zwei Emmys) hat nie den Sprung über den Atlantik geschafft.

Auch mit Innovationen sind Zuschauer, die sich an die deutsche Serienkost mit heimischen Krimis und deutscher Comedy gewöhnt haben, schwer zu überzeugen. Die Actionserie „24“, die noch bis zum 28. September bei RTL II zu sehen ist, läuft in so genannter „Echtzeit“ über den Bildschirm. Die Serie ist 24 Stunden lang, beginnt um Mitternacht und endet um Mitternacht - in der Zeit muss Agent Jack Bauer (Kiefer Sutherland) nicht nur den Anschlag auf einen Präsidentschaftskandidaten vereiteln, sondern auch das Leben seiner Frau und seiner Tochter retten. Der Zuschauer fiebert jede Sekunde mit.

„Es ist auffällig, dass die Zuschauer sehr intensiv mit Mails und Faxen auf die Serie reagieren“, sagt RTL-II-Sprecherin Barbara Faltermeier. Die Actionserie werde auch im Internet verfolgt. Vor allem Zuschauer, die Folgen im TV verpasst hätten, klickten die Episoden im Internet an. „Fans zelebrieren den Kult im Web“, schrieb „Focus“. Wie empfindlich die eingeschworene Fan-Gemeinde reagieren kann, erlebte der Sender, als die vor der Serie „24“ ausgestrahlte „Fame Academy“ an einem Tag die Sendezeit überzog. „Wir wollen diesen Casting-Müll nicht sehen“, schrieb ein Zuschauer.

Auch andere Sender mussten die Erfahrung machen, dass US-Serien in Deutschland zwar eingeschworene Fanblöcke haben, doch auch sehr übersichtliche. ProSieben wird alle Folgen mit der Agentin „Alias“ ausstrahlen, aber Fans hat sie kaum vor den Bildschirm gebracht. Auch die Neustarts von „Scrubs“ oder „Without a Trace“ verliefen in diesem Herbst weitgehend geräuschlos. Manierlich ist nach wie vor der Auftritt von „Sex and the City“, aber ausgerechnet diese Produktion nähert sich in den USA dem Ende. Vox hat seit „Ally McBeal“ auch kein glückliches Händchen mehr mit Produktionen aus Hollywood gehabt.

Bei großen Sendern finden US-Serien im Hauptabendprogramm längst keine Berücksichtigung mehr. Das ZDF zeigt „Reich und schön“ am Nachmittag, RTL strahlt „Quincy“ dienstags am späten Abend aus. Und wer ein Faible für US-Klassiker wie „Drei Engel für Charlie“ oder „Die Zwei“ hat, schaltet Kabel 1 ein. Eines steht zumindest in Amerika fest: „“24“ ist die bemerkenswerteste, süchtig machende US- Serie der Saison“, schrieb das Magazin „Time“.

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