30. Todestag
Was von Beuys bleibt

Mit Krankenwagen und Koyote

Auch Bettina Paust, Leiterin des Museums Schloss Moyland am Niederrhein, das mit rund 6000 frühen Zeichnungen den weltgrößten Bestand an Beuys-Arbeiten hütet, sagt: „Das macht den Umgang mit dem Werk von Beuys auch teilweise so schwierig. Auf der einen Seite soll es allgemeingültig sein, auf der anderen kreist es um die Künstlerpersönlichkeit Beuys.“ Deshalb sei es auch nicht einfach, Beuys heutzutage im Museum zu präsentieren. „Es gibt Installationen, Zeichnungen, aber auch Beuys selbst ist wichtiger Teil seines Werkes.“

Berühmt sind die Aktionen: Zum Beispiel wie Beuys, beklebt mit Blattgold, in einer Düsseldorfer Galerie, einem toten Hasen die Bilder erklärte. Anders als seine Fluxus-Kollegen, die stark mit dem Publikum agierten, konzentrierte Beuys seine Aktionen ganz auf sich selbst. „Da entstanden sehr starke Bilder“, sagt Paust. So auch bei dem Tumult in Aachen, als sich Beuys eine blutige Nase holte, ein Kruzifix aufblies und Schokolade verteilte. Das Foto ging durch die Presse, alles wurde gefilmt. Beuys zählt zu den meistfotografierten Künstlern der 60er bis 80er Jahre, als es noch keine Smartphones gab und kein Internet für millionenfache Verbreitung weltweit sorgte.

Für Paust gibt es „keinen vergleichbaren Künstler“. „Er hat die Kunst revolutioniert. Was er geschaffen hat, hat alles Vorherige gesprengt.“ In Amerika allerdings erregte Beuys zunächst wenig Aufsehen. Das änderte sich, als er vom New Yorker Flughafen - komplett in Filz gewickelt - von einem Krankenwagen in eine Galerie gefahren wurde, wo er drei Tage und Nächte vor den Augen der Öffentlichkeit mit einem Kojoten in einem Raum verbrachte.

Arbeiten von Beuys befinden sich in den großen Museen der Welt und sind auf dem Kunstmarkt heiß begehrt. Regelmäßig erscheinen Biografien über ihn. Dennoch, sagt Paust, „bleibt sein Werk für viele schwer zugänglich“, seine Theorie der „Sozialen Plastik“ sei trotz der Aktualität ökonomischer und ökologischer Fragen heute verblasst. Denn mit dem Tod von Beuys vor 30 Jahren sei auch ein wesentlicher Teil seines Werkes gestorben.

Doch es gibt nach Ansicht Pausts auch heute Künstler, die in der Verschränkung von Kunst, Politik und eigener Person in der Beuys-Tradition stehen. Sie nennt den 2010 gestorbenen Christoph Schlingensief oder auch den chinesischen regimekritischen Künstler Ai Weiwei. Letzter nutzt für seine Zwecke stark die sozialen Netzwerke. Auch Beuys wäre heute wahrscheinlich „ständig im Netz unterwegs, weil es ihm darum ging, so viel Menschen wie möglich zu erreichen“, sagt Paust.

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