40 Jahre Galerie Ludorff
Entscheidung für die schönen Dinge

Die Galerie Ludorff wurde vor 40 Jahren gegründet. Dieses Jubiläum feiert die an Düsseldorfer Kö residierende Kunsthandlung mit einem Ausstellungsreigen.
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Düsseldorf1975 fing alles an. Da sammelte der BWL-Student Rainer Ludorff schon eine Weile Zeichnungen und Graphik des Expressionismus. Ganz privat und mit Leidenschaft. Und statt in die Industrie oder eine Bank zu gehen, entschied der Mann mit dem Faible für die schönen Dinge, das eine mit dem anderen zu verbinden. Von Anfang an war die Königsallee, Düsseldorfs Toplage, eine Adresse, die seine Kundschaft zu schätzen weiß.

Mittlerweile nutzt die Galerie im Haus Nummer 22 gleich mehrere Etagen. Das liegt auch an Sohn Manuel, der seit 2009 die Geschäfte führt und auf Zweigleisigkeit setzt: Neben Klassischer Moderne und Nachkriegskunst findet der Kunstfreund in der Galerie Ludorff auch Zeitgenossen: seit längerem schon kleinere Formate von Gerhard Richter und Skulpturen von Tony Cragg, inzwischen aber auch Arbeiten von jüngeren Talenten wie Christian Awe(*1979) und Max Frintrop (*1982). Awes leuchtend wilde Allover-Drippings in kräftigen Farben sind hier für 8.700 Euro zu haben. Frintrops Mischtechniken mit Sprühnebeln auf Papier dagegen schon für Preise ab 2.200 Euro.

Zeiger, von Luft bewegt

Das ganze Jahr über wird die Galerie besondere Ausstellungen veranstalten. Die erste im Jubiläumsreigen heißt „Formen der Abstraktion“ und läuft noch bis 30. Mai 2015. In den lichten, gut dimensionierten Räumen der Beletage warten 23 künstlerische Positionen auf Entdeckung. Gemeinsam ist ihnen der Verzicht auf Gegenständlichkeit.

Bei Ernst Wilhelm Nay muss der Besucher genau hinschauen, dann erkennt er in der schönen Gouache von 1948 mit den kunstvollen Verschlingungen das titelgebende Paar „Frau mit Hahn“ (79.000 Euro). Streng geometrisch ordnend beansprucht ein grün-blaues Quadrat von Josef Albers mit seiner ungemischten Farbe auf Hartfaser den Platz des Primus inter Pares. Liegt es an den Farben Rot-Lila-Oliv oder an der Drehung von Winfried Gauls Hardedge-Malerei „Tag und Nacht II“ von 1966 auf die Spitze einer Raute, dass der Jüngere dem Ernsten so heiter antwortet? Oder liegt es an den benachbarten, durch den Luftzug bewegten Zeigern von George Rickeys Skulptur („Oneup, one down“, 65.000 Euro)?

Magische Phantasiewesen

Von Gotthard Graubner ist ein Aquarell gehängt, das die Duftigkeit seiner Kissenbildern vorzüglich einfängt, allerdings in Erdfarben und nicht in Pastelltönen (9.500 Euro). Von Willi Baumeister ist ein charakteristisches Spätwerk aus magischen Phantasiewesen und archaischen Formen ausgestellt, von Imi Knobel „Face“, ein Acrylbild auf Alustreifen, das zwischen Bild und Relief changiert.

Eine der derzeit so gefragten Feuergouachen von Otto Piene(O.T., 1967) ist mit 69.000 Euro angesetzt. Aus der oberen Mitte des schwarzen Bildes ergießt sich ein scheinbar glühender orangeroter Strom von Feuer, Energie, Farbe oder Licht. Um Erleuchtung geht es schließlich allen.

„Formen der Abstraktion“, bis 30. Mai 2015 in der Galerie Ludorff, Düsseldorf. Parallel im dritten Stock: „Neuerwerbungen des Frühjahrs 2015“, bis 31. August 2015

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