40 Jahre "Polizeiruf 110"
Der "Gegen-Tatort"

Einst sozialistischer Gegenwartskrimi, ist der Polizeiruf eines der wenigen Formate, das nach 1990 den Sprung aus dem DDR-Fernsehen in die ARD geschafft hat. Der "Gegen-Tatort" hatte stets sein eigenes Profil.
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Berlin/LeipzigDer Klassenkampf machte selbst vor dem Krimi nicht Halt: Als im Herbst 1970 im Westfernsehen der „Tatort“ aus der Taufe gehoben wurde, riss das auch die DDR-Oberen aus dem Sessel. Verbrechen und Verbrecherjagd begeisterte nämlich das Publikum in Ostdeutschland, sofern die Antenne den Empfang zuließ. Staatsratsvorsitzender Erich Honecker persönlich soll eine „gewisse Langeweile“ im DDR-Fernsehen kritisiert und mehr Spannung auf der Mattscheibe gefordert haben. Der „Polizeiruf 110“ wurde als „Gegen-Tatort“ aus der Taufe gehoben.

Vor 40 Jahren, am 27. Juni 1971, ging die Ermittlergruppe um den Genossen Oberleutnant Peter Fuchs (Peter Borgelt) zum ersten Mal auf Verbrechersuche im DDR-Fernsehen. In „Der Fall Lisa Murnau“ ging es um den Raub von 70.000 Mark aus einem Postamt, wobei die Schalterbeamtin, gespielt von Petra Hinze, lebensgefährlich verletzt wurde. „Es war die Absicht, einen sozialistischen Gegenwartskriminalfilm zu schaffen als Kontrapunkt und als Kontraprodukt gegenüber dem Tatort“, sagt der Dramaturg und Autor Eberhard Görner in einer Dokumentation, die aus Anlass des Jubiläums entstand.

Die Krimireihe ist eines der wenigen Formate, das nach 1990 den Sprung aus dem DDR-Fernsehen in die ARD geschafft hat - und dort sogar auf den prominenten Sonntagabendplatz. Die Sender BR, MDR, NDR und RBB produzieren sie, mit neuen Ermittlerteams und Schauplätzen. Der Jubiläums-„Polizeiruf“ wird an diesem Sonntag (26.6.) um 20.15 Uhr ausgestahlt: „Die verlorene Tochter“ heißt der Krimi, bei dem erstmals Maria Simon als Kommissarin Olga Lenski an der Seite von Land-Polizist Horst Krause im Brandenburgischen ermittelt.

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