50 Jahre Eurovision Song Contest
Vom Schlagerfestival zum Mega-Pop-Ereignis

Als sich am 24. Mai 1956 im schweizerischen Lugano der Vorhang für den ersten Grand Prix d'Eurovision de la Chanson hob, handelte es sich um ein betuliches Fernsehexperiment mit ungewissem Ausgang. 50 Jahre später ist der Eurovision Song Contest, wie der Musikwettbewerb modern heißt, eines der größten TV-Ereignisse der Welt.

HB ATHEN. Beim ersten Grand Prix saßen wohl nur ein paar hunderttausend Zuschauer vor den Bildschirmen in sieben europäischen Ländern. An diesem Samstag (20. Mai) werden wieder über hundert Millionen Zuschauer in mehr als 40 Ländern die Show aus Athen live am Fernseher mitverfolgen, Grand-Prix-Partys feiern und die spannende Punktevergabe miterleben, bei der es zuletzt selten hieß: „Germany – twelve points!“.

Die Idee der Europäischen Rundfunk-Union (EBU) war simpel: Mit einer einzigen Musikshow wollte sie möglichst hohe Quoten in ganz Europa erzielen. Deutschland, Italien, Frankreich, die Schweiz und die drei Beneluxstaaten waren mit je zwei Songs am Start – alles bester Nachkriegsschlager. Für Deutschland schmetterte Walter Andreas Schwarz „Im Wartesaal zum großen Glück“ und Freddy Quinn beschwor „So geht das jede Nacht“. Zwar nicht jede Nacht, aber jedes Jahr wird seitdem die Schlagerkrone vergeben, mittlerweile eher ein Pop-Diadem.

Denn mit Chansons habe das Ganze heute nicht mehr viel zu tun, sagt die erste Siegerin, die Schweizerin Lys Assia („Refrain“). „Es ist mehr eine Show, bei der viele Teilnehmer besser tanzen als singen“ – das war bis in die späten 60er Jahre verboten. Die Interpreten hatten zu singen und keine Mätzchen zu machen.

Dennoch bewies der Grand Prix schon in seinem dritten Jahr seine Strahlkraft: Der Beitrag „Nel blu, dipinto di blu“, mit dem der Italiener Domenico Modugno auf den dritten Platz kam, wurde später unter dem Titel „Volare“ ein Welthit. Es sollten weitere Hits und Weltkarrieren folgen, wie die von Céline Dion, Julio Iglesias oder Cliff Richard („Congratulations“).

Das Jahrzehnt der Discokugel und des Glitzerlooks veränderte den Grand Prix nachhaltig – und brachte ihm sogar TV-Übertragungen bis nach Südamerika und Afrika ein. Brave Schlagernummern wurden weniger, Pop zum Mitsingen und Gute-Laune-Songs gaben den Ton an. 1974 schlug die Stunde vier junger Schweden namens Abba: Mit „Waterloo“, 2005 zum besten Song in 50 Jahren Grand Prix gewählt, begann der Triumphzug einer der erfolgreichsten Popgruppen überhaupt.

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