65. Filmfestspiele
Venedig will mit Qualität glänzen

Mit 21 Filmen im Hauptwettbewerb startet am heutigen Mittwoch die Filmbiennale von Venedig. Erstmals seit vier Jahren ist auch wieder ein deutscher Film im Rennen um den goldenen Löwen. Der Eröffnungsfilm des „gewollt widersprüchlich angelegten“ bietet gleiche eine Starbesetzung.

dpa VENEDIG. „Weniger Glamour, mehr Qualität“, das hat der künstlerische Direktor der Filmbiennale von Venedig, Marco Müller, dem diesjährigen Wettbewerb um den Goldenen Löwen verordnet. Nicht nur eröffnen die erfolgsverwöhnten amerikanischen Regisseure Joel und Ethan Coen - außer Konkurrenz - an diesem Mittwoch mit „Burn After Reading“ das 65. Festival in der Lagunenstadt. Bis zum 6. September spiegelt dann das Programm mit 21 Filmen im Hauptwettbewerb alles in allem die Suche nach guten Stoffen gleich welcher Art und ist, wie Müller sagt, „pluralistisch und gewollt widersprüchlich angelegt“. So will Venedig womöglich von neuem auch wichtige Akzente für die nächste Oscar-Verleihung setzen.

Und erstmals seit vier Jahren ist mit Christian Petzolds „Jerichow“ wieder ein deutscher Film im Rennen. Der 47-Jährige tritt am Lido allerdings gegen eine starke Konkurrenz vor allem aus den USA an. „Jerichow“ mit Nina Hoss, Benno Fürmann und Hilmi Sözer dreht sich „um eine der ältesten Geschichten der Welt, um Gier, Zwietracht und Leidenschaft“: Ein aus Afghanistan in die Prignitz heimkehrender Soldat verstrickt sich in eine Affäre mit einer verheirateten Frau. Als bisher letzte deutsche Produktion schickte Wim Wenders 2004 „Land of Plenty“ in Venedig in den Wettbewerb. Diesmal leitet der deutsche Erfolgsfilmer die siebenköpfige Jury.

Das ganze Hauptaugenmerk gilt indessen zunächst einmal den Oscar-gekrönten Brüdern Coen und ihrer schwarzhumorigen Agentenkomödie in Starbesetzung. Brad Pitt, George Clooney, Tilda Swinton sowie John Malkovich und (wieder in einem Coen-Film) die grandiose Frances McDormand sorgen für einen Reigen der klangvollen Namen. In diesem Jahr haben die Brüder Coen vier Oscars für ihren brutalen Westernthriller „No Country For Old Men“ abgeräumt, jetzt könnte Venedig als neues Sprungbrett dienen, auch wenn der Film nicht im Wettbewerb ist. So hatte „Brokeback Mountain“ 2005 erst den Goldenen Löwen gewonnen, Ang Lee dann für sein Meisterwerk den Regie-Oscar.

Neben Petzolds „Jerichow“ starten weitere drei Streifen mit deutscher Produktionsbeteiligung. Darunter ist Werner Schroeters französisch-deutsch-portugiesischer „Nuit de chien“. Zudem steckt deutsche Produktion neben französischer auch in dem hauptsächlich türkischen „Süt“ von Semih Kaplanoglu und in dem äthiopischen Film „Teza“ von Haile Gerima. Aus den USA kommen allein fünf Filme, und aus Italien, das bei dem jüngsten Festival in Cannes auffallend gut abschnitt, stammen nicht weniger als vier der Wettbewerbsbeiträge.

Mit Starbesetzung geht jedenfalls der amerikanische Film am Canal Grande in den Wettbewerb. In dem Regie-Erstling „The Burning Plain“ des Mexikaners Guillermo Arriagas (Drehbuchautor von „Babel“ und „21 Gramm“) wirken Charlize Theron, Kim Basinger und Joaquim de Almeida mit, und Kathryn Bigelows „Hurt Locker“ über den Irak-Krieg wartet mit Ralph Fiennes und Guy Pearce auf. Auch Jonathan Demmes „Rachel Getting Married“ mit Anne Hathaway sowie Darren Aronofskys „The Wrestler“ mit Mickey Rourke sind unter den US-Beiträgen. Mit drei Filmen ist daneben auch Japan diesmal sehr stark am Lido vertreten.

„Wir wollen doch vom Kino nicht mehr verlangen, uns vor der problematischen Gegenwart zu retten“, hat der künstlerische Leiter als Losung ausgegeben. Die italienische Presse sieht Venedig mit dem Programm des Jahrgangs 2008 jedenfalls auf einer Art Gratwanderung zwischen „Kinobegeisterung und Realpolitik“. Müller selbst meinte dazu, Film sei zur Mixtur aus Ideen, Kräften, Mythen und Geschichten geworden und solle kein unfehlbarer Kompass mehr sein. Ob unfehlbar oder auch nicht, den Kurs könnte das Festival durchaus vorgeben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%