72,8 Millionen Dollar für Mark Rothko
Rekordpreise für zeitgenössische Kunst bei Sotheby's

Während Klassiker wie Picasso oder Klimt schon länger für Preise über 50 Millionen Dollar unter den Hammer kommen, arbeiten sich nun erstmals auch Nachkriegskünstler in diesen Bereich vor. Zwei Gemälde aus den 50er und 60er Jahren haben beim Auktionshaus Sotheby's in New York Rekordpreise für zeitgenössische Kunst erzielt.

NEW YORK. Der Spitzenpreis von 72,8 Mill. Dollar (53,77 Mill. Euro) wurde am Dienstagabend von einem anonymen Telefonbieter für ein Hauptwerk der abstrakten Malerei aus dem Jahre 1950 bezahlt. Es zeigt Farbblocks unter dem Titel „White Center (Yellow, Pink and Lavender on Rose)“ (Weißes Zentrum (Gelb, Rosa und Lavendel auf Rose)). Damit setzt das Auktionshaus Sotheby’s nicht nur den Weltrekord für den russisch-amerikanischen Maler Mark Rothko (1903-1970), sondern auch den für das teuerste Gemälde der zeitgenössischen Kunst, das auf einer Versteigerung angeboten wurde. Bislang hielt diese Position William de Kooning, dessen abstraktes Gemälde „Untitled XXV“ beim Erzrivalen Christie’s im November 2006 27,1 Mill. Dollar erzielt hatte.

Kurz davor wechselte „Study from Innocent X“, eine Papststudie des britischen Malers Francis Bacon aus dem Jahre 1962, für 52,6 Mill. Dollar (38,85 Mill. Euro) den Besitzer. Auch in diesem Fall blieb der erfolgreiche Bieter anonym.

Mit Rothko ist jetzt ein Nachkriegskünstler in jenen hohen zweistelligen Millionen-Dollar-Bereich vorgestoßen, den über Jahrzehnte die Impressionisten und Vertreter der Klassischen Moderne inne hatten: 1990 erlöste Auguste Renoirs „Moulin de la Galette“ bei Sotheby’s 78 Mill. Dollar (damals 132 Mill. DM). Van Gogh hielt die Spitzenposition mit dem „Porträt des Dr. Gachet“, den Christie’s im selben Jahr für 82,5 Mill. Dollar versteigerte. Beide Bilder kaufte der japanische Papierindustrielle Ryoei Saito.

Rothko ist mit „White Center (Yellow, Pink an Lavender on Rose)“ 1950 eines seiner reifsten Werke gelungen: Die Farbfelder glühen. Fünf Bieter rissen sich um das herrliche Hochformat. Warum aber wurde das fröhlich ausstrahlende Bild so hoch über dem letzten Rothko-Rekord („Hommage a Matisse, 22,4 Mill. Dollar bei Christie’s im November 2005) zugeschlagen? Zum einen sicher wegen seiner Marktfrische und Herkunft aus den bedeutendsten amerikanischen Sammlungen. Einlieferer war der Bankier und Staatsmann David Rockefeller, der es 1960 aus einer Spitzensammlung erworben hatte. Zum anderen sicher auch wegen seiner Ungegenständlichkeit, die neu einsteigenden Kunstsammlern in Asien und Arabien entgegenkommt. Darüber hinaus hat „White Center“ den Charakter eines wieder erkennbaren Markenzeichens. Der Markt für zeitgenössische Kunst ist extrem heiß. Es gibt weniger Spitzenwerke als finanziell potente Nachfrager. Der kühne Satz von Sotheby’s Starauktionator Tobias Meyer: „Bald werden die Zeitgenossen die 100-Mill-Dollar-Schwelle erreichen“ ist weniger denn je von der Hand zu weisen.

Einen ausführlichen Bericht über die Contemporary-Auktionen lesen Sie in der Freitagausgabe des Handelsblatt.

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