80. Geburtstag
Enzensberger im Unruhestand

Der deutsche Literat Hans Magnus Enzensberger wird am heutigen Mittwoch 80 Jahre alt - doch von Ruhestand will der einst „zornigen junge Mann der deutschen Literatur“ nichts wissen. Noch immer hört die Republik auf seine Meinung.
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HB MÜNCHEN. Hans Magnus Enzensberger will nicht darüber reden, aber er kann auch nichts dagegen tun: Am 11. November wird der Literat 80 Jahre alt auch wenn er nichts von Geburtstagen halte, wie er einmal verriet. Er werde zu seinem Wiegenfest „gar keine Interviews“ geben, ließ er seinen Verlag mitteilen. Dabei hätte der Jubilar viel erzählen: Seit der Veröffentlichung seines Debüt- Gedichtbandes „Verteidigung der Wölfe“ vor 52 Jahren hat der preisgekrönte Schriftsteller die literarische und intellektuelle Diskussion in der Bundesrepublik entscheidend mitbestimmt.

Enzensberger kam am 11. November 1929 als Sohn eines Postbeamten im Allgäu zur Welt. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er als Dolmetscher und Barmann der Royal Air Force, später als Radio- Redakteur, Dramatiker, Lektor und Dozent. Heute gibt es kaum ein literarisches Genre mehr, in dem Enzensberger sich noch nicht versucht hätte. Meist waren diese Versuche von Erfolg gekrönt. Bekannt wurde er vor allem als Lyriker und mit seinen Essays. Geschrieben hat das Mitglied der Gruppe 47 aber auch Romane.

Eine Gattung hat Enzensberger je nach Wissenschaftler-Meinung sogar entwickelt, zumindest aber angemessen weitergebracht: das politische Gedicht. Auf sein literarisches Debüt „Verteidigung der Wölfe“ folgte 1960 „Museum der modernen Poesie“. Mit seiner Lyrik, aber auch seinen Essays habe er mit „eisiger Unerbittlichkeit“ das Nachkriegsbewusstsein der Gesellschaft und die Bedingungen, die dazu führten, offen gelegt, heißt es. In den 1960er Jahren gehörte er zu den Wortführern der Studentenbewegung und der linken Intelligenz. Mit der kritischen Zeitschrift „Kursbuch“ gab er eines ihrer wichtigsten Organe heraus.

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