80. Geburtstag: Gerhard Richter - das bescheidene Mal-Genie

80. Geburtstag
Gerhard Richter - das bescheidene Mal-Genie

Gerhard Richter gilt als bedeutendster Kunstschaffender der Gegenwart - mindestens in Deutschland, wenn nicht gar in Europa. Heute wird er 80 Jahre alt. Ein Porträt zum Ehrentag des „Picasso des 21. Jahrhunderts“.
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KölnManches Malergenie wurde erst nach seinem Tod entdeckt, weil die Zeitgenossen seine Bedeutung noch nicht zu erkennen vermochten. Gerhard Richter fällt nicht in diese Kategorie. Ihm ist es vergönnt, schon zu Lebzeiten als „Picasso des 21. Jahrhunderts“ (The Guardian) oder „Europas größter moderner Maler“ (The New York Times) gerühmt zu werden.

Auf Ranglisten der wichtigsten Künstler stand er oft auf Platz 1. Seine Gemälde erzielen Rekordpreise. Wenn Richter an diesem Donnerstag 80 Jahre alt wird, dann feiert die Welt den Geburtstag eines Mannes, von dem jetzt schon feststeht, dass er in die Kunstgeschichte eingehen wird.

In der Neuen Nationalgalerie in Berlin öffnet zu Ehren des Künstlers am 12. Februar das „Gerhard Richter Panorama“ mit rund 150 Gemälden aus allen Schaffensperioden. Das Gerhard Richter Archiv in Richters Heimatstadt Dresden versammelt in der Ausstellung „Atlas“ Fotografien, Zeitungsausschnitte, Skizzen und Entwürfe, die der Künstler über Jahrzehnte zusammengetragen hat. Richter selbst sieht Lobeshymnen auf sich eher skeptisch: „Was mir bei diesen Anlässen immer sehr unangenehm ist, sind die vielen Menschen, die sagen werden, wie toll die Ausstellung ist“, sagte er kürzlich der „Welt am Sonntag“. „Das sagen sie immer, es sei ganz toll. Und das bedeutet ja nichts.“ Auch mit Sammlern, die Millionenbeträge für seine Werke zahlen, kann er nichts anfangen. „Ein guter Sammler ist für mich jemand, den ich noch nie getroffen habe“, sagte er. Die einhellige Begeisterung der Kunstwelt für Richter steht dabei in einem merkwürdigen Gegensatz zu der Ratlosigkeit, mit der das große Publikum seine Bilder betrachtet. Die „Kerze“ zum Beispiel, die im Oktober zwölf Millionen Euro erzielte, wirkt geradezu banal. Was soll daran nun so toll sein?

„Zu der Zeit, als Richter 1961 aus der DDR in den Westen floh, sprachen viele vom Ende der Malerei“, erläutert die Kunstbuchautorin Angela Wenzel aus Düsseldorf. Wenn es um möglichst realistische Abbildungen ging, war die Malerei der Fotografie hoffnungslos unterlegen. Und auch das, was Impressionisten und Expressionisten gemacht hatten - die Welt ganz subjektiv durch die eigene Brille zu sehen oder das eigene Gefühlsleben auf der Leinwand auszubreiten - schien ausgereizt. Richter gilt heute als derjenige, der der Malerei doch wieder eine neue Bedeutung gegeben hat.

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„Alles sehen, nichts begreifen.“

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  • Zu Tante Marianne: Das Seltsame ist, dass Richter angibt, nichts von der Geschichte der Tante Marianne gewusst zu haben,
    bis ihn sein Biograph darauf hingewiesen hat.
    Ein verstörender Befund. Glaubwürdig? Ich habe unter http://wp.me/PI5I6-1E dazu einen Essay geschrieben:
    Der Maler Gerhard Richter und die Tante Marianne.

    E. Stegentritt

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