80-Jährig
Kabarett-Altmeister Hanns Dieter Hüsch gestorben

Hanns Dieter Hüsch, der Altmeister des literarischen Kabaretts, ist tot. Er starb in der Nacht zum Dienstag zu Hause im Alter von 80 Jahren in seinem Haus in der Nähe von Köln. Seine Quelle der Inspiration war die Provinz, aus der er stammte.

HB KÖLN. Hüschs Tod wurde von seiner Agentur Feuerstein und Kessler in Mainz bestätigt. Nach einem Schlaganfall Ende 2000 hatte er zurückgezogen gelegt. Seine Geburtsstadt Moers am Niederrhein bereitet nach Angaben einer Sprecherin ein „Ehrenbegräbnis für den Ehrenbürger“ vor. Allerdings wolle die Stadtspitze erst Kontakt zur Familie aufnehmen und fragen, ob das gewünscht sei.

Hüsch galt als einer der produktivsten und wichtigsten Vertreter des literarischen Kabaretts in Deutschland. Der sensible Menschenbeobachter begeisterte sein Publikum mehr als fünf Jahrzehnte lang mit seinen mehr als 70 Solo-Programmen, in denen er vor allem das hintersinnige Wortspiel kultivierte. Aber auch mit seinen Szenen und Anekdoten aus seiner niederrheinischen Heimat brachte Hüsch sein Publikum zum Lachen.

Ende der 40er Jahre startete der Künstler seine Kabarettkarriere, nachdem er Medizin, Theaterwissenschaften und Literaturgeschichte in Gießen und Mainz - allerdings nie zu Ende - studiert hatte. Bereits während seines Studiums schrieb „der ewige Brettl-Student“, wie er sich selbst einmal nannte, Gedichte und Chansons, sang bei einer Musikband und trat mit einem Universitätskabarett auf. Im Jahr 1956 gründete er in einem Mainzer Keller das Kabarettensemble „arche nova“, das er bis 1962 leitete.

Bis zu seiner Erkrankung an Lungenkrebs 1998 bewältigte der kabarettistische Einzelgänger rund 200 Vorstellungen pro Jahr. Daneben verfasste er Hörspiele und ein Theaterstück und lieh den ZDF- Reihen „Väter der Klamotte“ und „Dick und Doof“ in den 70er Jahren seine Synchronstimme.

Der 1925 als Sohn eines preußischen Beamten in Moers geborene Hüsch nannte sich selbst „das schwarze Schaf vom Niederrhein“ („Alles, was ich bin, ist niederrheinisch“). Über den niederrheinischen kleinbürgerlichen Mief erzählte er mit „flämischer Uferlosigkeit“ und sprachlicher Prägnanz, zog aber nie über ihn her. Immer wieder wandte er sich auch gegen Rechtsradikalismus und Kriegsgefahr.

Trotz seiner großen Fangemeinde fühlte sich der leise Erzähler Hüsch nie als Star und blieb dem Tingeln durch die Provinz immer treu. Er wurde mit mehreren Auszeichnungen bedacht, darunter zwei Mal mit dem Deutschen Kleinkunstpreis, der Carl-Zuckmayer-Medaille sowie dem Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen.

Wegen seiner Krebserkrankung musste sich Hüsch einer langwierigen Chemotherapie unterziehen. Nachdem er im November 2000 einen Schlaganfall erlitten hatte, absolvierte er im Oktober 2001 seinen letzten Bühnenauftritt. Geschwächt vom Schlaganfall, verbrachte Hüsch die letzten Jahre in seinem Haus im Bergischen Land.

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