Abenteuergeschichten
Hasardeure im Mais

Leider ist ein schöner Begriff vor die sprachlichen Hunde gegangen, das Abenteuer. Heute kommen Abenteuergeschichten vor Gericht, einer „Political Correctness“ halber. Die „Abenteuer von Tim und Struppi“ etwa haben ein Verfahren in Belgien am Hals, weil sie angeblich rassistisch seien. Dabei hat das Abenteuer sogar eine Bedeutung für die Geschichte der Ökonomie.

Schnell bestieg er sein eignes Gespann, daneben Machaon / Stieg, des Asklepios Sohn, des unvergleichlichen Arztes. / Und er peitschte die Pferde, nicht ungern flogen dahin sie / zu den gewölbten Schiffen, denn dorthin strebten sie selber.“ Homer, Ilias (11, 510 - 520), ca. 730 v. Chr.

„Das Paradeis fanden wir, wie wir’s begehrten, und noch darüber; anstatt der Engel schöne Jungfrauen darinnen, welche uns mit Speis und Trank also traktierten, dass ich in Kürze wieder einen glatten Balg bekam. ... So erquickte ich Leib und Seel, und vergaße all meines ausgestandenen Leids.“ Hans Jacob Christoph von Grimmelshausen: Der abenteuerliche Simplicissimus, XXIX. Kapitel, 1668

„Abenteuer VHS-Bildung: Neben ,Klassikern’ wie Zeichen- oder Yoga-Kursen bietet das Herbstprogramm neue Themen in den Bereichen Religion, Philosophie und Psychologie an. ,Für das letzte legale Abenteuer: sich selbst kennenzulernen’, sagte Volkshochschulleiterin Gabriele Hammelrath.“ Kölner Stadtanzeiger, 8. August 2007.

Die drei Zitate zeigen, dass es um das Abenteuer aktuell nicht gut bestellt ist; wenn sich schon die Begriffe zu Allerweltsgeschwurbel downsizen, wie viel ärger muss es um die Inhalte stehen? Um das, was ein echtes Abenteuer ausmacht: Aufbruch, Rückschlag, erneuter Aufbruch, Konflikt, haaresbreiter Erfolg, Ruhm, Ehre, klasse Sex, plötzlicher Reichtum, Fehlinvestition. Finale. Erneuter Aufbruch offen etc.

Von dieser Art waren sie doch, die Geschichten, die uns mit den abgewetztesten Schmökern und einer funzeligen Taschenlampe unter die Bettdecke trieben, das Grauen verschlingend bis zum Morgen. Heute kommen Abenteuergeschichten vor Gericht, einer „Political Correctness“ halber. Die „Abenteuer von Tim und Struppi“ etwa haben ein Verfahren in Belgien am Hals, weil sie angeblich rassistisch seien.

Weil wir und die Geschichte vor Gericht und auf hoher See Abenteuern ausgesetzt bzw. in Gottes Hand sind, müssen wir abwarten, was geschieht. Wir rechnen mit dem Schlimmsten. Womöglich setzt das Gericht Heiner Geißler und Rudolf Scharping als Schlichter ein, oder es findet im Kompromisswahn zu einem weltliterarisch einmaligen Kompromiss, etwa zur Trennung von Tim und Struppi, aber mit wechselseitigem Sorgerecht. Oder so.

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