Aboriginal Art
Traum von der Wasserschlange

In den Wüstenregionen Australiens malen die Ureinwohner farbenprächtige Bilder von der Schöpfungsgeschichte. Zugänglich macht sie die Freiburger Galerie Artkelch. Sie steht auch hinter der aktuellen Ausstellung im Leipziger Grassi Museum für Völkerkunde.
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Leipzig.Spätestens seit Bruce Chatwins Reisebuch „Traumpfade“(1990) auf den Spuren der australischen Ureinwohner, der Aborigines, glaubte man, in deren Schöpfungsgeschichte eingeweiht zu sein. Sie handelt von den Ahnen der „Traumzeit“, die über den Kontinent wanderten und singend alles benannten, was ihre Wege kreuzte: Tiere, Pflanzen, Felsen, und nicht zuletzt die Wasserlöcher.

Doch was passierte, als die Landvermesser der Eisenbahngesellschaften oder Erdölfirmen die Traumpfade durch neue Strecken oder Bohrungen zerstörten? Was geschah, als der Staat die Ureinwohner im Zuge einer verfehlten Assimilationspolitik umsiedelte und ihnen damit in vielen Fällen die ererbten Kultstätten unerreichbar machte?

Auf unwegsamen Pisten

Den Zauber der „Traumzeit“, den Chatwin beschwor, verspürten auch Robyn Kelch, als Einwandererkind in Australien geboren, und ihr deutscher Ehemann auf der Hochzeitsreise. In ihrer Galerie in Freiburg zeigen sie seit 2006 ausschließlich Aboriginal Art mit Schwerpunkt auf den Wüstenregionen. Sie erreicht man nur über unwegsame Pisten im Geländewagen. Die weißen Australier aus den Küstenstätten verirren sich deshalb nicht so leicht in diese Dürre. Jeder Reisende benötigt zudem eine amtliche Erlaubnis, um die Reservate der Aborigines zu besuchen.

Hüter des heiligen Wasserlochs

Vor diesem Hintergrund machen die sog. „Dreamings“ (Bilder der Traumzeit) besonders neugierig. Sie stammen aus den drei Kunstzentren aus den Western Apy Lands ca. 1.500 km nördlich von Adelaide. Jetzt machen sie im Grassi Museum für Völkerkunde in Leipzig Station.

Zu den gefragtesten Künstlern zählt Tiger Palpatja (geb. ca. 1920), ein Ältester und traditioneller Heiler. Als Hüter der Schöpfungsgeschichte der Wasserschlange, einem heiligen Wasserloch bei Piltati, besitzt er ererbte Autorität. Ein „Dreaming“ wie „Piltatinga“ malt er zwar aus der traditionellen Vogelperspektive, erfindet aber eine moderne Bildsprache mit aparter Farbgebung in rosa-rot und lindgrün-weißen Punkterhythmen und eleganten Schlieren. Sie strahlen Lebensfreude aus. 9.900 Euro verlangt Artkelch für die Acrylmalerei von 2010. Nach Palpatjas Tod wird ein Verwandter seinen Teil der Schöpfungsgeschichte erben. Das heißt, dass nicht jeder Künstler alle Bilder der Traumzeit malen darf.

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