„About Change Collection“
Die Vermittlerin

Christiane zu Salm hat in Berlin ein privates Museum eröffnet. Sie war dafür aber nicht auf Auktionen, um moderne Klassiker zusammen zu kaufen. Nicht einmal einen renommierten Kunstberater hat sie sich zum Aufbau der Sammlung geholt. Nur den Ort hat sie sorgfältig ausgewählt. Hier will sie den Dialog zwischen Kunst und Wirtschaft initiieren.

BERLIN. Den Moment wird sie nie vergessen. An einem trostlosen Samstagvormittag im Herbst stolperte Christiane zu Salm im schicken Kölner Friesenviertel eher zufällig in eine Kunstgalerie in der Venloer Straße. Damals war die heutige Medienmanagerin und Finanzinvestorin noch eine kleine Nummer beim großen Filmproduzenten UFA. Ein großes Bild für ihre neue Kölner Wohnung wollte sie. Und in dieser Galerie hing eines, gemalt von dem damals unbekannten Künstler Michael Prince im Format zweieinhalb auf eineinhalb Meter. Dieses Bild ist ihr ans Herz gewachsen. „Ich könnte es heute um das 20-fache des damaligen Preises verkaufen. Doch das würde ich nie tun“, sagt die 38-Jährige. „Ich liebe das Bild“.

Das Bild von Michael Prince, der für seine surrealen Fotografien bekannt ist, war der Beginn einer außergewöhnlichen Kunstsammlung, die von Freitag an in Berlin erstmals öffentlich zu sehen sein wird. Mit 300 Gästen feiert die Medienunternehmerin und Finanzinvestorin an diesem Freitag ihre Kollektion. Sie wird jeweils samstags der Öffentlichkeit gratis, aber nach Voranmeldung zugänglich sein. Ihr Privatmuseum im Herzen der Hauptstadt, gegenüber der von Unesco geschützten Museumsinseln und nur wenige Schritte von der Prachtallee Unter den Linden, ist keine Sammlung im klassischen Sinn. Christiane zu Salm hat sie nicht auf Auktionen moderne Klassiker zusammen gekauft, die den Besuchern angesichts prominenter Namen dem Atem verschlagen. Nicht einmal einen renommierten Kunstberater holte sie sich zum Aufbau ihrer Sammlung, die den Namen „About Change Collection“ trägt – eine Anspielung auf ihre Münchener Investmentgesellschaft „About Change Ventures“.

Nur den Ort hat sie sorgfältig ausgewählt. Es handelt sich um einen modernen Kubus vom Stararchitekten David Chipperfield. Oben im dritten Stock mit phantastischem Blick auf „Einstürzende Neubauten“ wie den ehemaligen Palast der Republik liegen ihre viereinhalb Meter hohen Ausstellungsräume. Der Boden aus Crailsheimer Muschelkalk gibt den Sälen mit den Etagen-hohen Glasfenstern eine moderne Strenge, wie sie die Sammlerin schätzt. Durch den Berliner Kunsthändler und Sammler Heiner Bastian, dem das Haus gehört, kam Christiane zu Salm zur begehrten Adresse Kupfergraben 10. Der Monolith inmitten der Gründerzeitfassaden passt zur Untermieterin zu Salm, die im Pokerspiel um die prominenten Räume sogar den Medienunternehmern Ronald S. Lauder aus dem Rennen geschlagen haben soll.

In Berlin kreuzen sich Kunst und Macht. Und das ist wichtig für Christiane zu Salm. Sie begreift ihre Sammlung nicht als Museum, sondern als Treffpunkt und als Showroom. Sie träumt von großen Treffen zwischen Künstlern und Wirtschaftschefs in den spektakulären Räumen. Eine zwölf Meter lange Tafel aus Eiche hat sie bereits in Auftrag gegeben. „Ich könnte mir vorstellen, dass ein Künstler einen Vorstandschef einlädt und mit ihm abseits von Konventionen diskutiert“, sagt die Unternehmerin. Das Ganze will sie dann per Kamera im Internet auf ihrer eigenen Homepage ausstrahlen – der Dialog zwischen Kunst und Kommerz als Ereignis für das Internetfernsehen. Für die Begegnungen hat sie bereits einen Namen gefunden: Interzone. In Anlehnung an William S. Burroughs, den Schriftsteller der Beat Generation, ist die Interzone eine Art intellektuelles Wunderland außerhalb herkömmlicher Vorstellungen und Gewohnheiten.

Die Sammlung im Dachgeschoss liegt als Ort der Begegnungen ideal. Es sind nur wenige Schritte von der protzigen Repräsentanz von Bertelsmann, Europas größtem Medienkonzern – zu Salm und die Bertelsmann-Matriarchin Liz Mohn schätzen sich persönlich. Auch Kanzlerin Angela Merkel wohnt gleich um die Ecke. Berlin Mitte – das ist doch der richtige Platz für die Wahl-Münchnerin, die der bayerischen Landeshauptstadt in Sachen Moderne Kunst nur wenig abgewinnen kann. „Es gibt für mich keinen spannenderen Ort als Berlin, wo sich neue Kunst und alte Kunst begegnen können“, sagt die Unternehmerin. Ausgerüstet mit viel Zeit und genügend Geld machte sie sich in den vergangenen Jahren auf den weiten Weg durch die Galerien in Berlin, London und New York. „In diesem unübersichtlichen Kunstmarkt muss man schon sehr, sehr genau aufpassen, das Richtige zu finden“, sagt die Unternehmerin. Was sie wollte, hatte sie auch in diesem Fall klar im Kopf. Ihre Sammlung dreht sich um die Collage. Sie setzt auf die Widersprüche zwischen „berühmt und verkannt“, zwischen „bekannt und unbekannt“. Dreh- und Angelpunkt ihrer Ausstellung ist eine Arbeit des modernen Klassikers Kurt Schwitters (1887-1948) aus dem Jahre 1936. „Schwitters hatte damals seinen Papierkorb in Norwegen ausgeleert und die Reste zu einem neuen Ganzen zusammengefügt“, schwärmt die Jungsammlerin über den Konstruktivisten, der Collage im 20. Jahrhundert neu interpretiert hat.

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