Abu Dhabi Art
Kunst shoppen am Golf

Im Musterländle am Golf, in Abu Dhabi, soll eine internationale Kunstmesse etabliert werden. Dafür wurden namhafte Galeristen aus Europa und den USA geködert. Doch nicht alle machten die erhofften Geschäfte.
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ABU DAHBI. Wie der Phoenix aus der Asche entstand die Golf-Kunstmesse "abu dhabi art", die vom 19.-22.November im Hotel Emirates Palace in Abu Dhabi Kunst, Kitsch, Künstler, Händler und Neugierige zusammenführte. Nachdem die französischen Organisatoren der zwei vorausgehenden Messen "artparis-abudhabi" im März 2009 verabschiedet wurden, stellen die Emiratis die Messe nun selbst auf die Beine. Verantwortlich ist Scheich Sultan Bin Tahnoon Al Nahyan, der den Immobilien-, Tourismus- und Kultur-Entwicklungs-Gesellschaften ADACH (Abu Dhabi Authority for Culture and Heritage) und TDIC (Tourisme Development & Investment Company) vorsteht. Dank ihrer guten Beziehungen konnte die TDIC-Kultur-Direktorin Rita Aoun-Abdo innerhalb von vier Monaten die Crème de la Crème der internationalen Galeristen davon überzeugen, dass in Abu Dhabi der Zukunfts-Kunstmarkt entstehe.

Wegen der lockenden Milliarden-Dollar-Reserven, sowie der zwar offiziell geleugneten, aber trotzdem versprochenen und pikanterweise nicht immer eingehaltenen Verkaufsgarantien reisten die internationalen Top-Galeristen begeistert an. Manch einer reiste enttäuscht ab. Der sonst spärlich kommunizierende US-Galerist Larry Gagosian nahm sogar an einer Podiumsdiskussion teil. Pace Wildenstein (New York), Hauser & Wirth, Gmurzynska (beide Zürich) u.a. transportierten Riesenskulpturen zur Außen-Dekoration des Hotels und für ihre Messestände. Skulpturen, die sie großteils wieder nach Hause mitnahmen. Die unzähligen Kunstberater der Königsfamilie, der ADACH und TDIC hatten wohl vom Ankauf abgeraten.

Arabische Kunst war schnell verkauft


Insgesamt 50 zum Teil hochkarätige Aussteller bestückten die "abu dhabi art" mit anerkannter bzw. aufstrebender Kunst. Arabische und iranische Künstler fanden am schnellsten Lokalkäufer. Das Emirat Abu Dhabi versteht sich jedoch als Bindeglied zwischen Ost und West. Dies indiziert das neue Logo der "abu dhabi art": eine rosa Klammer im gewellten Wüstensand. Der Society-Star Jeff Koons traf auf die neuen Sterne, die iranischen Brüder Rokni und Ramin Haerizadeh (geb. 1978 und 1975), die seit ihrer Pariser Ausstellung bei Thaddäus Ropac im Februar/März 2009 in Dubai leben müssen. Dort vertritt sie die Galerie B21, die die satirischen Werke von Ramin Haerizadeh ebenso verkauften konnte wie Ropac.

Glanz sollte Megasammler Pinault versprühen


Die Messeorganisatoren banden den Christie's-Eigentümer und Kunstsammler François Pinault in das "abu dhabi art"-Komitee mit ein. Pinault kam, führte Verhandlungen für seine Luxus Holding (inklusive Gucci), lächelte und kaufte u.a. den Teddybär von David Mach "Grizzli Little Fucker" bei der Pariser Galerie Jérôme de Noirmont. Die Galerie liegt 50 Meter vom Pariser Christie's Büro entfernt. Dort tritt Pinault üblicherweise vor den Vernissagen mit seinen Kunstberatern auf. Erstaunlich, dass eine Messe-Organisation die Konkurrenz vom Auktionshaus integriert.

Es gibt begeisterte und enttäuschte Aussteller


Noch erstaunlicher, ja absurder waren die erst in den letzten Messe-Stunden von offizieller Seite aufgenommenen Kauf- und Preisverhandlungen, die noch Tage nach Messeschluss fortgesetzt wurden. Diese Usancen belasteten die Nerven der westlichen Galeristen. Ihr Fazit war je nach Umsatz extrem kontrastreich: von betont enthusiastisch bis ziemlich enttäuscht. Gagosian gab Willem de Koonings "Untitled XIII" von 1982 für ca. 13 Mio. Dollar ab, Enrico Navarra einen Jean-Michel Basquiat mit dem verrätselten Titel "O.M.R.A.V.S." von 1984 für 3,7 Mio. Dollar. Ropac bekam neben Verkäufen von Farhad Moshiri, etwa die Arbeit "Never" für 180.000 Dollar und eine von Ramin Haerizadeh für 18.000 Dollar einen Auftrag für eine Riesenskulptur von Tony Cragg. Pace Wildenstein verkaufte eines der vielen Alexander Calder-Mobiles aus seiner Spezialschau. Die Deutsche Kunsthändlerin Brigitte Schenk gab eine Fotografie von August Sander für 150.000 Euro ab, sowie viele Fotos von arabischen Künstlern u.a. Tarek Al Ghoussein. Ihre Kollegin Caprice Horn verkaufte große Kollagen von Khaled Hafez, der Pariser Patrice Trigano die arabische Fotografin Meriem Bouderbala (je 18.000 Euro) an die TDIC.

Der Pariser Galerist für moderne Kunst Daniel Malingue, der auf der Pariser Kunstmesse FIAC gemeinsam mit Kollegen wie Aquavella, L & M und Louis Carré eine museumsreife Ausstellung aufbot, transferierte sein verkleinertes Konzept nach Abu Dhabi. Die potentiellen Hoflieferanten für moderne Kunst verkauften aber gar nichts. Die Frage nach der Notwendigkeit eines künstlich aufgezogenen Kunstmarktes im Golf bleibt nach dieser kommerziell noch nicht ganz befriedigenden Messe offen. Abu Dhabis Finanzkraft zeigt sich dieser Tage weniger in Kunstförderung als darin, dem hoch verschuldeten armen Vetter Dubai mit einem Zehn-Milliarden-Dollar-Scheck aus der Schuldenfalle zu helfen. Um zu verhindern, dass das Image der sieben Vereinigten Arabischen Emirate als Investitionsstandort Schaden nimmt.

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