Achenbach erringt Teilerfolg Schadenersatz-Verfahren gegen Kunstberater wird neu aufgerollt

Die Familie des gestorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht hat den Kunstberater Helge Achenbach hinter Gitter gebracht. Beide Seiten liefern sich seitdem heftige Streits vor Gericht. Nun hat Achenbach einen Punkt erzielt.
Update: 07.04.2016 - 14:36 Uhr
Im Betrugsprozess gegen Achenbach und zwei seiner Firmen wurde nur Achenbach persönlich verurteilt – für das OLG Düsseldorf eine „unzulässige Teilentscheidung“. Quelle: dpa
„Unzulässiges Teilurteil“

Im Betrugsprozess gegen Achenbach und zwei seiner Firmen wurde nur Achenbach persönlich verurteilt – für das OLG Düsseldorf eine „unzulässige Teilentscheidung“.

(Foto: dpa)

DüsseldorfErstmals hat der inhaftierte Kunstberater Helge Achenbach in der Prozessserie gegen ihn einen Teilsieg errungen. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hob am Donnerstag ein millionenschweres Schadenersatz-Urteil gegen Achenbach (63) auf und verwies das Verfahren zurück an das Landgericht. Dieses hatte Achenbach Anfang 2015 wegen Betrugs beim Verkauf von Kunst und Oldtimern an dem Aldi-Erben Berthold Albrecht zur Zahlung von 19,4 Millionen Euro Schadenersatz verurteilt.

Das OLG stufte dies als „unzulässiges Teilurteil“ ein. Denn in dem Zivilverfahren am Landgericht seien nicht nur Achenbach, sondern auch zwei seiner Firmen verklagt worden. Verurteilt wurde aber nur Achenbach. Daher bestehe die Gefahr, dass in der gleichen Sache drei widersprüchliche Urteile fallen könnten, urteilte das OLG. Über die damals verklagte und inzwischen insolvente Achenbach-Kunstberatung GmbH waren die Kunstwerke, über die Firma State of Art die Oldtimergeschäfte mit Albrecht abgewickelt worden.

Die Albrecht-Familie hatte ihre Zivilklage sogar noch einmal um mehrere Millionen erhöht. Ein vom OLG empfohlener Vergleich in Höhe von 15 Millionen Euro war nach mehrmonatigen Verhandlungen zunächst nicht zustande gekommen. Achenbachs Anwalt Urs Breitsprecher strebt einen Gesamtvergleich zwischen den Parteien an, der alle derzeit laufenden Gerichtsverfahren umfassen soll, „damit der Streit zwischen beiden Familien beendet wird“.

Kunst, Oldtimer und bedröppelter Geldadel
Helge Achenbach
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Der Prozess Albrecht gegen Achenbach

Seit dem 11.November bereits muss sich Helge Achenbach vor dem Landgericht Düsseldorf in einem Millionenprozess verantworten. Die Erben des Aldi-Erben Berthold Albrecht fordern satte 19,4 Millionen Euro von dem Kunstberater zurück.

Aldi- und Lidl-Tüte
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Achenbach war dem Aldi-Erben Berthold Albrecht, den er 2007 kennengelernt hatte, freundschaftlich verbunden und hatte ihm Oldtimer und Kunstwerke vermittelt. Bei 14 Kunstgeschäften und neun Oldtimer-Deals soll Achenbach Rechnungen gefälscht und Einkaufspreise nach oben frisiert haben, hatte die Essener Staatsanwaltschaft mitgeteilt. So stiegen auch seine Provisionen für die Objekte. Seit fünf Monaten sitzt Achenbach bereits in Essen in Untersuchungshaft.

Helge Achenbach
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Helge Achenbach, Jahrgang 1952, behauptet von sich selbst, der Erfinder des Art Consulting in Deutschland zu sein. Damit meint er die kommerzielle Kunstberatung. 1978 gründete Achenbach die „Achenbach Art Consulting“ in Düsseldorf – professionelles Art Consulting gab es in den USA zu diesem Zeitpunkt schon seit 50 Jahren. Seitdem beriet er zahlreiche Wirtschaftsunternehmen beim Aufbau ihrer Sammlungen und baute einige private Kunstsammlungen auf.

Fortuna Düsseldorf feiert Aufstieg
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1997 wurde Achenbach für fünf Jahre Präsident des Fußballvereins Fortuna Düsseldorf, gab das Amt aber bereits im Jahr 2000 wieder ab. 2001 stieg Achenbach mit „Monkey’s Island“ im großen Stil in die Gastronomie ein. 2007 folgten die Restaurants Monkey’s West, East und South, die Achenbach an seinem 55. Geburtstag eröffnete. Schon 2012 musste Monkey's Club (eröffnet 2004) nach angeblichen finanziellen Turbulenzen wieder geschlossen werden.

Berthold Albrecht
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Ab 2007 gehörte auch Berthold Albrecht, ein Erbe des 2010 gestorbenen Aldi-Mitbegründers Theo Albrecht, zu Achenbachs Kunden. Über 5 Jahre war Achenbach für den zurückgezogen lebenden Millionär tätig, die Preise summierten sich: Laut Klageschrift suchte hat er dem Aldi-Erben Oldtimer und Kunstwerke für insgesamt gut 120 Millionen Euro verkauft. 2012 starb Albrecht überraschend im Alter von nur 58 Jahren. Nun fordert Albrechts Familie in einem Zivilprozess (Az: 6 O 280/14) am Düsseldorfer Landgericht 19,4 Millionen Euro Schadenersatz von Achenbach und zwei seiner insolventen Unternehmen. Für Kunstwerke sei eine Provision von fünf Prozent und für Oldtimer eine von drei Prozent vereinbart gewesen.

Zivilprozess gegen den Kunstberater Achenbach
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Achenbach (62) wird wohl nicht im Landgericht erscheinen, sondern nur seine Anwälte (hier im Bild: Franz-Josef Krichel beim Prozessauftakt am 11. November). Insgesamt drei reiche Kunden soll Achenbach laut Essener Anklage betrogen haben.

Zivilprozess gegen den Kunstberater Achenbach
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Dabei soll Berthold Albrecht mit Abstand den höchsten Schaden erlitten haben. In den anderen beiden Fällen geht es um rund 1,3 Millionen Euro Schaden. Albrechts Rechtsanwalt Andreas Urban spricht hier am 11.11.2014 in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) im Landgericht nach dem Auftakt des Zivilprozesses gegen Kunstberater Achenbach mit Journalisten.

Achenbach (63) war im März 2015 wegen Millionenbetrugs an seinem 2012 gestorbenen Duzfreund Albrecht zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Achenbachs Firmen sind größtenteils insolvent, seine Kunstsammlung aus dem Firmenbestand wurde für rund 7,5 Millionen Euro zwangsversteigert.

Die Albrecht-Erben fordern vom Ehepaar Achenbach in einem weiteren Verfahren 980 000 Euro aus dem Verkauf von vier Bronzeskulpturen des Künstlers Juan Muñoz zurück. Nach Ansicht der Albrecht-Familie handelt es sich um nicht autorisierte Nachgüsse.

Achenbachs Ehefrau Dorothee versucht hingegen, ein durch die Aldi-Erben gepfändetes Bild von Günther Uecker zurückzubekommen, das auf eine halbe Million Euro geschätzt wird. Die Firma AAC, eine der wenigen nicht insolventen Firmen Achenbachs, klagt zudem gegen die Albrecht-Familie auf Herausgabe von sechs gepfändeten Kunstwerken. Sie seien Firmenbesitz und nicht Privateigentum Achenbachs.

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