Achenbach-Prozess: Das Phantom Thomas Kellein

Achenbach-Prozess
Das Phantom Thomas Kellein

Der renommierte Kunsthistoriker Thomas Kellein wirkt im Fall Achenbach als einer der Hauptbelastungszeugen. Die Person des ehemaligen Direktors der Kunsthalle Bielefeld ist jedoch schwer zu fassen. Der Versuch einer Annäherung.
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EssenThomas Kellein, den ehemaligen Leiter der Bielefelder Kunsthalle und offenbar Hauptbelastungszeugen für die Vorwürfe gegen Helge Achenbach, zu fassen, ist nicht einfach. Wie bei Achenbach sind viele ehemalige Weggefährten und Kollegen zunächst bereit, sich über ihn zu äußern, ziehen aber dann unvermittelt ihre Gesprächsangebote zurück oder bitten – mitunter auch im Nachgang – darum, namentlich nicht genannt zu werden und ebenfalls auf eine Ortsangabe zu verzichten („Bitte nicht, dann weiß doch jeder sofort, wer ich bin“).

Die traditionsreiche Hamburger Privatbank Berenberg bestätigte, dass Kellein weiter als Freier Berater in Kunstfragen für sie tätig ist. Berenberg hatte 2011 zusammen mit Achenbach, Stefan Horsthemke und Raymund Scheffler, dem ehemaligen Leiter der Düsseldorfer Niederlassung der Bank, die Tochtergesellschaft Berenberg Art Advice als Beratungsunternehmen für betuchte Privatsammler ins Leben gerufen, ein Experiment, das im Juli 2013 nach außen durch eine knappe Presseerklärung beendet wurde.

Rolle als „Laufbursche“

Vor dem Landgericht Essen beschrieb Kellein am Montag in einer zweieinhalbstündigen Zeugenvernehmung seine Rolle als bloßen „Laufburschen“, Achenbach hingegen als den „Impressario“, der ihn demnach speziell als künstlerischen Berater für den Aufbau der Sammlung des Pharma-Unternehmers Christian Boehringer engagiert hatte. Er bestätigte, dass Achenbach bei „einigen Kunstverkäufen“ an Boehringer „hohe Preisaufschläge“ vorgenommen habe. Damit hatte Kellein offenbar zunächst keine Probleme: „Ich habe gedacht: Na ja, so ist es halt. C’est la vie.“ Er sei „gutgläubig und naiv gewesen“, so die prozesstaktische Selbststilisierung des außerordentlich eloquenten Kunsthistorikers. Das möchte man ihm als langjährigem Akteur in der internationalen Kunstszene nur schwer abnehmen.

War er tatsächlich so naiv, dass er meinte, für seine bloßen „Hilfsdienste“ ein Monatssalär von 10.000 Euro sowie einen stattlichen „Bonus“ in Höhe von rund 200.000 US-Dollar von Achenbach annehmen zu können? Erst nach drei Geschäften mit Boehringer zwischen Dezember 2012 und Mai 2013 will er gemerkt haben, dass „irgendetwas nicht stimmt“, so Kellein. Achenbach habe Preisaufschläge vorgenommen, „die ich nicht mehr mittragen konnte“. Er habe dann den Bonus an Achenbach zurückgezahlt und den Vorstand von Berenberg auf die Unregelmäßigkeiten bei der Berenberg Art Advice aufmerksam gemacht.

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