Achenbach-Prozess
Eine Frage des Preises

Zwei Künstler sagen im Prozess gegen den Kunstberater Helge Achenbach aus: der Bildhauer Tony Cragg und der Fotograf Benjamin Katz. Ihre Aussagen vermitteln tiefe Einblicke in die Preise beim Weiterverkauf von Kunst.
  • 0

EssenAm zwölften Verhandlungstag im Prozess gegen den inhaftierten Kunstberater Helge Achenbach haben in dieser Woche erstmals Künstler als Zeugen ausgesagt: der Bildhauer Tony Cragg und der Fotograf Benjamin Katz.
Er sei sich nicht mehr ganz sicher, um welche Skulptur es sich gehandelt habe, sagt Tony Cragg: „Ich arbeite mit meinen Assistenten immer an mehreren Projekten.“

Auskunft gibt die Rechnung des Bildhauers: eine Edelstahl-Figur, drei Meter hoch, aus der Reihe der elliptischen Säulen „Points of View“. Davon gibt es viele Variationen. Helge Achenbach habe einige Skulpturen bestellt, darunter sicher auch die für Berthold Albrecht. Den 2012 verstorbenen Aldi-Erben habe Tony Cragg in seinem Wuppertaler Skulpturenpark gesehen, ohne mit ihm gesprochen zu haben. Mit Babette Albrecht sei er mehrmals ins Gespräch gekommen. Die Installation der Skulptur habe sein Assistent übernommen. Auf den Einwurf des Richters, das sei jetzt „ein bisschen unscharf“, antwortet Cragg: „Es ist nicht mein Job, Skulpturen zu verkaufen.“

Helge Achenbach hatte ausgesagt, das Kunstwerk sei speziell für Berthold Albrecht angefertigt worden, man habe auch über einen geeigneten Platz im Garten gesprochen. „Das ist vielleicht seine Sicht. Am Ende wusste ich, dass die Arbeit für Berthold Albrecht ist. Aber im Atelier orientiere ich mich nicht an Äußerlichkeiten, ich mache meine Sachen.“

Tony Cragg und Helge Achenbach kennen sich seit Jahren, die Beziehung sei freundschaftlich. „Er ist ein gern gesehener Gast in meinem Atelier, der sich für meine Arbeit interessiert, einer von den Menschen, denen ich vertraut habe“, erklärte Cragg vor dem Richter. „Es kann sein, dass wir mehrfach über diese Skulptur gesprochen haben.“

Tony Cragg entlastet Achenbach

Was die Preise betrifft, so gebe es zwei: den Marktpreis und das, was der Künstler bekommt, erläutert Cragg weiter. „Sammler und Museen zahlen den Marktpreis, der mit der Zeit auch höher wird.“ Die Hälfte des Marktpreises, der für so eine Skulptur ungefähr bei 400.000 Euro liegt, hat Tony Cragg 2011 der Achenbach Kunstberatung in Rechnung gestellt: 220.000 Euro.

Welcher Preis dann beim Weiterverkauf erzielt werde, entziehe sich seiner Kenntnis: „Das ist Vertrauenssache“, sagt Cragg. Für 385.000 Euro (plus fünf Prozent Provision) soll Helge Achenbach die Skulptur an Berthold Albrecht verkauft haben.

Kommentare zu " Achenbach-Prozess: Eine Frage des Preises"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%