Ackermann-Biographie
Manager ohne Eigenschaften

Was steckt hinter der Fassade des Josef Ackermann? Die bisher erschienenen Bücher über den Chef der Deutschen Bank verraten zu dieser Frage nur wenig. Auch in der jüngsten Biographie des Wirtschaftsjournalisten Leo Müller bleibt Ackermann eher konturenlos.

FRANKFURT. Eisen muss man schmieden, solange es heiß ist. Und eine Biografie über einen Manager sollte man tunlichst schreiben, solange der Betreffende noch seinen Beruf ausübt. Der Wirtschaftsjournalist Leo Müller tut also gut daran, "Ackermanns Welt" just einen Monat vor der Neuauflage des Mannesmann-Prozesses herauszubringen. Schließlich hat Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann angekündigt, er werde seinen Posten räumen, falls er wegen der millionenschweren Abfindungen an Klaus Esser & Co. rechtskräftig verurteilt wird.

Müller hätte gegen eine Verurteilung wohl nichts einzuwenden. Etwa 57 Millionen Euro an Abfindungen und Prämien hatten Ackermann und andere Mannesmann-Aufsichtsräte den Ex-Managern des Düsseldorfer Konzerns zugebilligt, nachdem dieser von Vodafone geschluckt worden war. Müller, der für die Schweizer Wirtschaftszeitung "Cash" arbeitet, hält die Zahlungen für ungebührlich hoch - und nicht nur diese. Unter der Überschrift "Kurze Amtszeit, großer Reibach" prangert er Exzesse bei der Honorierung von Führungskräften rund um den Globus an.

Überhaupt liest sich das Buch weniger wie eine Banker-Biografie, sondern eher wie eine generelle Kritik an so manch zweifelhaftem Gebaren der modernen Managerkaste, der "Ackermänner" eben. Dabei kommt Müller zwar nicht zu neuen Einsichten, aber er bringt einige bedenkliche Entwicklungen treffend auf den Punkt - etwa die Entfremdung der Eliten von Wirtschaft und Politik in Deutschland. Zudem ist das Buch sehr flott geschrieben. Nett ist auch die Idee, dem Fotografen, der das berühmte "Victory"Foto im ersten Mannesmann-Prozess schoss, ein Mini-Kapitel zu widmen.

Allerdings hat das Buch auch Längen. Ein mehrseitiger Abriss über das Leben von John F. Kennedy, angeblich ein Vorbild des jungen Ackermann, wirkt ebenso überflüssig wie die langatmige Beschreibung der Geschichte seines Heimatortes Mels. Man gewinnt den Eindruck, dass die Flucht in die allgemeine Managerkritik nicht nur Tugend ist, sondern auch Not - weil der Autor eben nicht besonders nahe dran ist am eigentlichen Objekt der Biografie.

Zwar erfährt der Leser, dass der Arztsohn Josef Ackermann aus einer gutbürgerlichen Familie im Kanton Sankt Gallen stammt, dass er ein guter Schüler war und in seiner Jugend Sepp genannt wurde. Man erfährt, dass er sich zu Studienzeiten in Sankt Gallen in die Finnin Pirkko Mölsä verliebte, die noch heute seine Frau ist.

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