Afrika
Starker Auftritt

Afrika hat bildmächtige Künstler, die der hiesige Kunstbetrieb meist ausspart.  Bis Sonntag bietet „Focus11“ in Basel einen faszinierenden Überblick auf aufstrebende und etablierte Künstler des schwarzen Kontinents.
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BaselDie Art Basel versammelt so viele Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt wie keine andere Messe für moderne und zeitgenössische Kunst. Doch Afrika bleibt bis auf zwei Galerien aus Südafrika ausgespart. In diese Lücke springt nun im dritten Jahr "Focus11". In einem zentral gelegenen Altstadthaus in der Basler Rheingasse 33 kann der wissbegierige Besucher seinen Horizont erweitern, was junge, aufstrebende Talente des vom Westen gern übersehenen Kontinents betrifft.

Kleine Jungs, alle in blauen Kapuzenmänteln, schauen den Betrachter an. Realistisch, in lebhaften Farben gemalt, stehen die Figuren auf nichts als der großen weißen Leinwand. Handelt es sich um ein religiöses oder um ein politisches Ritual? Die nächsten Gemälde geben Aufschluss.

Spielball der Großmächte

Die aus Mauritius stammende Malerin Nirweda Alleck hat Bewohner der Pazifikinsel Chagos porträtiert. Statt sie in Röcke, Hosen und T-Shirts zu hüllen, hat Alleck ihnen ihr größtes Problem kollektiv auf den Leib gemalt: die Luftansicht des Militärstützpunktes, die Soldaten im Tarnanzug. Die Insel gehört nicht der indigenen Bevölkerung, sondern ist eine von Großbritannien an die USA geliehene Militärbasis. „Sie leben im Limbo und bekommen ihre Insel nicht zurück“, erläutert die zierliche Malerin, den politischen Gehalt ihrer attraktiven Gemälde.

„Die Jungen in Mali habe ich fotografiert, als sie zu einem Beschneidungsritual, einer Initiation gingen“. Typisch für Alleck ist, dass sie den Kontext immer weglässt. Da muss der Betrachter zweimal hinschauen. Das lohnt sich.

Die Plattform

Der von Seraina Müller und Christoph Schön organisierte Focus11 ist weit mehr als eine von Christine Eyene kuratierte Ausstellung mit über einem Dutzend Künstlern aus Afrika und der Diaspora. Galerieausstellungen, Performances, Diskussionen, ein Symposium sowie eine tägliche Lounge von 20 bis 24 Uhr erweitern Focus11 zur Plattform. Sie läuft bewusst parallel zur Art Basel und schließt wie diese am 19. Juni 2011.

Ob Videos (Rowan Pybus, Ntando Cele), aquarellierte Collagen von Steve Bandoma, Malerei (Jean-Henri Booyens) oder Performance in Verbindung mit Fotografie wie sie der sehr junge Mohau Modisakeng pflegt – ihr gemeinsamer Nenner sind der Mensch und die Gesellschaft. Nicht mehr und nicht weniger.

Der Streitschlichter

Stark in Ausdruck und Botschaft sind drei fein ausgetüftelte Ganzfigur-Fotos aus einer Serie von Modisakeng (*1986). Der Südafrikaner lebt gerade mit einem Stipendium in Basel und wird demnächst nach Südafrika zurückkehren, um sein Studium abzuschließen. Der Künstler posiert selbst mit ernstem Ausdruck, mit Erde und Oxyden in den Händen. Im nächsten Bild verhüllt eine Staubwolke sein Gesicht. Im dritten Bild ist der Künstler, der einen mannshohen Lederschurz umgebunden hat, mit aneinander gelegten Händen zu sehen. Modisakeng erzählt, dass die Gesten einem Streitschlichterritual seiner Kindheit entstammen. Damals mussten sich zoffende Kinder erst am Friedensrichter abarbeiten, bevor sie sich wieder in einander verkeilen konnten. Ein Modell, das man sich auch für die große Politik wünschte.

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