Agnolo Bronzino
Die Revolution in der Porträtmalerei

Agnolo Bronzino ist der Starporträtist der High Society in Florenz. Was er malt, sieht aus wie gemeißelt. Nie zuvor war die Malerei so intensiv, so selbstbewusst wie bei ihm. Eine brillante Schau im Palazzo Strozzi feiert den Meister des Florentiner Manierismus, der ein Multitalent in allen Künsten war.
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FLORENZ. Als Christie's 1989 das attraktive Bildnis eines Lanzenträgers für 35 Mio. Dollar an das kalifornische Getty Museum versteigerte, hatte sich der Künstlername geändert. Das ganze 19. Jahrhundert hindurch galt es als Werk des Manieristen Agnolo Bronzino (1503-1572), der darin den jungen Cosimo de' Medici porträtiert haben soll. Jetzt trägt es den Namen Jacopo Pontormo, der Lehrer und erotischer Mentor Bronzinos war. Das Werk der beiden Florentiner lässt sich, vor allem was die Gemälde der späten 1520er-Jahre betrifft, noch heute schwer auseinanderhalten. Die stilistischen Grenzen sind fließend und mit ihnen das Urteil der Kunsthistoriker zur sogenannten Händescheidung.

Zu- und Abschreibungen

Auch die brillante und bis auf drei Hauptwerke komplette Bronzino-Ausstellung im Florentiner Palazzo Strozzi kann letzte Zweifel nicht ausräumen. Das betrifft zum Beispiel die Rundbilder der vier Evangelisten aus der Kirche Sancta Felicità (Florenz), von denen neuerdings nur noch zwei Bronzino zugeschrieben werden. Das bezieht sich aber auch auf eine Maria mit Kind und den Heiligen Hieronymus und Franziskus aus den Uffizien, die bis 1955 als Pontormo galt, bis 1989 als Frühwerk von Bronzino und seit dieser Zeit dem Pontormo-Nachfolger M. Cavalori zugeschrieben wird. Andererseits mutierte die "Maria mit Kind und dem Johannesknaben" aus der Galleria Corsini von Pontormo zu Bronzino, obwohl sie starke stilistische Übereinstimmungen mit dem Uffizien-Bild hat.

Liebe zur Figurendrehung und zu Posen

Die Ausstellung zeigt, dass Bronzino erst mit dem zweijährigen Aufenthalt in Pesaro als Hofmaler des Herzogs von Urbino seine stilistische Unabhängigkeit gewann. Hier distanziert er sich von der malerischen Weichheit, die Pontormos Werke charakterisieren. Mit dem Porträt des Guidobaldo della Rovere (1532) in silberstrotzendem Harnisch mit goldbesticktem Penispolster wird er zum Starporträtisten der Florentiner Gesellschaft. Er hebt sich ab mit einem Menschenbild neuer Prägung, das physische Präsenz mit sinnlicher Aura verbindet. Von den anatomischen Exzessen des Frühmanierismus aber übernimmt er doch Figurenfülle, Figurendrehung und Posieren als ihr wichtigstes Erbe.

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