Albrecht Dürer: Eldorado oder Graphik-Schwemme?

Albrecht Dürer
Eldorado oder Graphik-Schwemme?

Über 60 Kupferstiche, Holzschnitte und Radierungen von Albrecht Dürer versteigert Christie’s jetzt in New York. Alle sind von außerordentlicher Qualität und Erhaltung. Das exquisite Angebot soll Dürer-Sammler, Museen und Crossover-Sammler ansprechen.
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Düsseldorf„Nur das Beste“, sagt Tim Schmelcher, Leiter des Londoner Print Departments von Christie’s, habe jener europäische Sammler erworben, der ihm eine insgesamt auf 5 Millionen Dollar geschätzte Dürer-Privatsammlung anvertraut habe. Aus der enzyklopädisch angelegten, seit den 1970er-Jahren zusammengetragenen Kollektion hat der versierte Einlieferer jetzt 62 Blätter ausgewählt, die Kenner weltweit ansprechen dürften. Jeder einzelne, früh abgezogene Kupferstich, Holzschnitt und auch die selteneren Radierungen von Albrecht Dürer (1471-1528) sind Meisterwerke in Technik, Erhaltung und inhaltlicher Bedeutung. Hier war ein gut beratener Sammler am Werk, der die Mittel hatte, sich im Bietgefecht auch durchzusetzen.

Eine Sammlung dieser Qualität ist nach Angaben Schmelchers seit Jahrzehnten nicht mehr auf dem Markt gewesen. Versteigert werden die beliebten Blätter am 29. Januar 2013 bei Christie’s in New York. Unter ihnen findet sich etwa der Kupferstich „Melencolia I“ mit breitem Rand zum Schätzpreis von 400.000 bis 600.000 Dollar oder der Holzschnitt „Rhinozeros“ in der ersten Ausgabe vor dem Riss (100.000 bis 150.000 Dollar). Branchenbeobachtern zufolge ist Samuel Josefowitz der Einlieferer, ein polyglotter Unternehmer, der einst einen Buch- und Schallplattenversand aufgezogen hatte.

Die höchste Qualitätsstufe

Von atemberaubender Tiefe und „Gratigkeit“ ist der Kupferstich „Heiliger Eustachius“ aus der Chatsworth-Sammlung. Was die Plastizität von Bäumen, Hunden, Pferd, Hirsch und den soeben bekehrten Heerführer Eustachius betrifft, ist das früh abgezogene Blatt herausragend. Deshalb werden dafür (unveröffentlichte) 600.000 bis 700.000 Dollar erwartet. Die Detailschärfe lässt weder im Blattlaub nach, noch bei den Spiegelungen in der Wasseroberfläche, noch in der weit entfernten Hintergrundlandschaft.

Zu den beliebtesten Dürer-Stichen zählen „Adam und Eva“ sowie „Ritter, Tod und Teufel“. Der Kupferstich vom Sündenfall im Paradies (Meder IIa) mit Colnaghi-Provenienz ist auf 300.000 bis 500.000 Dollar angesetzt. Die Taxe orientiert sich an einem jüngsten Dollar-Rekordzuschlag. Der hatte im Sommer 2011 bei Christie’s bei 653.000 Dollar für einen anderen Abzug von „Adam und Eva“ gelegen. Mit dem so plastisch herausgearbeiteten ersten Menschenpaar wollte Dürer bei seiner zweiten Italienreise den Renaissancekünstlern die Stirn bieten; und seinen nördlich der Alpen unangefochtenen Rang auch cisalpin behaupten.

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