Alexander Steinbeis Elite-BWLer mit Harmoniebedürfnis

Seite 2 von 4:

„Dass ich als Pianist eine erfolgreiche Solokarriere mache, fand ich zu unwahrscheinlich. Mit BWL dagegen, dachte ich, steht mir alles Mögliche offen.“ Eine Vernunftentscheidung, die seinem Vater gefallen haben dürfte, war der zu jener Zeit doch erfolgreicher Unternehmer in der Papierindustrie. Doch solche Gedankenspiele wehrt der jungenhaft gebliebene Orchesterdirektor ab, die Eltern hätten ihm völlig freie Wahl gelassen, es habe schließlich auch keine Firma zu übernehmen gegeben.

Noch während seiner Schulzeit siedelt die Familie von Süddeutschland nach England über, nach dem Schulabschluss schreibt Steinbeis sich an der London School of Economics für einen Bachelorstudiengang ein. Seiner Leidenschaft, der klassischen Musik, widmet er sich jetzt in jeder Minute seiner Freizeit: Drei Konzertbesuche pro Woche, das ist nichts Ungewöhnliches, für seine Kommilitonen wird er zum wandelnden Klassik-Guide.

Nach bestandenem Bachelor geht Steinbeis nach Frankreich, schreibt sich für ein weiteres Studium an der Ecole Supérieure de Commerce de Paris (ESCP)/Ecole Européenne des Affaires (EAP) ein und belegt das Fach Management. Die Elite-Universität führt ihre Studierenden nicht nur jeweils ein Jahr nach Frankreich, England und Deutschland und lässt sie drei nationale Abschlüsse machen. Sie verlangt auch drei halbjährige Praktika, in jedem zweiten Semester eins. Und hier beweist Alexander Steinbeis, dass klassische Musik für einen BWLer wesentlich mehr sein kann als ein schöngeistiges Hobby: Während seine Studienkollegen sich im Rahmen ihrer Praktika –wie man es von Managementstudenten erwartet – auf Banken und große Konzerne stürzen, sucht er sich für sein Frankreich-Praktikum eine Konzertagentur aus.

Es wird sein „Schlüsselpraktikum“. Die Agentur bereitet ein gigantisches Musik-Event vor: Eine Gala im Elysée-Palast, die Präsident Jacques Chirac zum 70. Geburtstag des weltbekannten Cellisten Mstislav Rostropowitsch ausrichten lässt. „Inmitten des Organisationstrubels dieses einmaligen Events habe ich begriffen: Ich bin hier genau richtig“, sagt Steinbeis, und seine Augen glänzen. Im Blitztempo habe er die Grundbegriffe des Kulturmanagements gelernt – und mit angepackt, wo er nur konnte.

Von da an war der „Macher“ Alexander Steinbeis geboren, einer, der regelrecht verbissen an einer Sache arbeitet. So lernt ihn im darauf folgenden Semester in Oxford auch Studienkollege Martin Oetting kennen. Die beiden schweißt ein Erlebnis zusammen, das Bände spricht: „Es ist Tradition, dass die ESCP für alle Jahrgänge aus allen Ländern eine große Feier organisiert“, erklärt Oetting, der heute Mitinhaber einer Marketing-Agentur ist. Damals habe sich das gewählte Komitee allerdings total verzettelt, das Event drohte zu platzen. „Da sind wir beide und noch drei andere Kommilitonen eingesprungen. Wir hatten unglaublich viel zu tun, um die Sache zu retten. Aber am Ende hat Alexander die Geschichte fast im Alleingang gestemmt, das war unglaublich.“ Generalstabsmäßig habe dieser geplant, nächtelang Ideen ausgebrütet, sich als perfektionistischer, vor allem aber effizienter Organisator gezeigt.

Genau diese Qualitäten waren es wohl auch, die Steinbeis den Weg nach Boston ebneten. Dem japanischen Stardirigenten Seiji Ozawa, der während des Veranstaltungsabends im Elysée-Palast eines der drei Orchester leitete, war der unermüdlich schaffende Deutsche aufgefallen. Ozawa, zu der Zeit Chefdirigent des Boston Symphony Orchestra, lud Steinbeis an die amerikanische Ostküste ein. Nach dem regulären Studiensemester in Oxford entschied der Managementstudent sich gegen ein Praktikum auf der für ihn „bereits gut bekannten“ britischen Insel – und für das Neue, für einen Aufenthalt in den USA.

Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen

0 Kommentare zu "Alexander Steinbeis: Elite-BWLer mit Harmoniebedürfnis"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%