Alexander Steinbeis
Elite-BWLer mit Harmoniebedürfnis

Alexander Steinbeis hat an Elite-Unis BWL und Management studiert. Trotzdem sitzt er nicht in der Führungsetage eines Konzerns, sondern widmet sich seiner Leidenschaft: der Musik. Er ist Direktor des Deutschen Symphonie-Orchesters.
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Freitag 9.30 Uhr, großer Saal der Philharmonie am Potsdamer Platz in Berlin: Nach und nach treffen die Musiker des Deutschen Symphonie-Orchesters ein. Um zehn Uhr ist Probe, unter der Leitung des Gastdirigenten Sir Roger Norrington wird Edward Elgars Symphonie Nr. 1 in As-Dur eingeübt. Auch Alexander Steinbeis ist zur Stelle – um Präsenz zu zeigen, wie er sagt, und um Kontakt mit „seinen“ Musikern zu halten. „Formal habe ich hier nichts zu tun, aber es gibt so Schlüsselmomente, da ist es einfach wichtig da zu sein“, erklärt der 35-jährige Orchesterdirektor.

Im korrekt sitzenden indigoblauen Anzug steht er in der Nähe der extra für den Probenbetrieb geöffneten Servicetheke. Ein schneller Kaffee, dann ist Alexander Steinbeis nur noch für die in immer kürzerer Folge auftauchenden Kollegen da. Begrüßung folgt auf Begrüßung, ein Gespräch löst das nächste ab, für alle Anliegen, die an diesem Morgen zu erörtern sind, hat er ein offenes Ohr. Als der Dirigent erscheint, fragt Steinbeis nach, ob alles zu dessen Zufriedenheit ist, lässt sich von einem Vertreter des Orchestervorstands über den Fortschritt der Proben berichten und wirft anschließend einen Blick auf die deutsche Übersetzung der Begrüßungsworte des britischen Gastdirigenten. Diese wird ihm von der Leiterin des künstlerischen Betriebsbüros zur Überprüfung gereicht.

Alexander Steinbeis ist mittendrin, aber doch nicht dabei. Was macht ein Managertyp wie er in einem Orchester?

2007 wurde Alexander Steinbeis Berlins jüngster Orchesterdirektor. Hier kann er sich mit allem einbringen, was ihn ausmacht: Sein Wissen als BWLer und Manager ist beim chronisch unterfinanzierten Orchester ebenso gefragt wie sein musikalisches Verständnis. „Steinbeis ist einfach ein super Teamplayer, der immer versucht, für alle das Beste rauszuschlagen“, sagt Michael Mücke, Vorstandsmitglied und erster Geiger des Deutschen SymphonieOrchesters, kurz DSO. Einen, mit dem man immer über Probleme sprechen könne und der zeitnah Lösungen anbiete, der gleichzeitig aber auch so gut vernetzt sei, dass er immer die besten Gastdirigenten bekäme: Genau so einen brauche das DSO.

Genau das ist der Bruch in seiner Biografie. Ein Orchesterdirektor, der nicht Musik studiert hat, ja innerhalb seines BWL-Studiums an der London School of Economics und dem Managementstudium an der europäischen Elite-Business School ESCP-EAP (heute ESCP Europe) nicht einmal den Schwerpunkt Kulturmanagement gewählt hat. Wie passt das zusammen? Oder anders gefragt: Wie kommt einer, der ein so hochkarätiges Wirtschaftsstudium absolviert überhaupt auf die Idee, sich der klassischen Musik zu widmen?

Die Suche nach der Antwort führt zurück in Alexander Steinbeis’ Jugend. „Ich komme aus einer sehr musikalischen Familie, jeder bei uns spielte selbstverständlich ein Instrument“, erklärt er. Zu diversen Anlässen seien Familienkonzerte abgehalten worden, er als Ältester von vier Geschwistern habe am Piano gesessen. An den Tasten entwickelte der gebürtige Bayer über die Jahre ein solches Talent, dass sich zum Ende der Schulzeit ein Musikstudium geradezu aufdrängte – doch Steinbeis entscheidet sich anders.

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